Ärztlicher Kunstfehler und der erforderliche Zweiteingriff

In einer aktuellen Entscheidung hat der Bundesgerichtshof Stellung genommen zur Einstandspflicht des Arztes für die Folgen eines Zweiteingriffs durch einen nachbehandelnden Arzt, der erforderlich wird, weil dem vorbehandelnden Arzt beim Ersteingriff ein Behandlungsfehler unterlaufen ist.

Der Patient kann von dem Arzt Beklagten wegen fehlerhafter ärztlicher Behandlung Ersatz der ihm infolge der Nachoperation entstandenen materiellen und immateriellen Schäden verlangen (§ 280 Abs. 1, §§ 278, 823 Abs. 1, §§ 831, 253 Abs. 2 BGB).

Im hier entschiedenen Fall war dem Arzt ein (grober) Behandlungsfehler vorzuwerfen, weil er im Rahmen der von ihm durchgeführten Rektumresektion den vom Tumor betroffenen Darmabschnitt der Klägerin nicht mit entfernt hat. Der Patient musste sich in der Folge aufgrund dieses Behandlungsfehlers einem zusätzlichen Eingriff unterziehen, der ihm bei korrektem medizinischem Vorgehen erspart geblieben wäre.

Die Einstandspflicht der Arztes beschränkt sich nicht auf die unmittelbar mit dem Zweiteingriff verbundenen gesundheitlichen Belastungen des Patienten, sondern umfasst auch die im Zusammenhang mit diesem Eingriff aufgetretenen Komplikationen (Nahtinsuffizienz, Fistelbildung, misslungene Stomarückverlagerung). Es fehlt in diesem Zusammenhang nicht an dem erforderlichen Kausal- und am Zurechnungszusammenhang, etwa weil die Erstoperation mangels Erhöhung des Risikos einer Nahtinsuffizienz keinen primären Schaden hervorgerufen hat und die im Streitfall eingetretenen Komplikationen schon bei der ersten Operation hätten eintreten können.

Bei der Prüfung des Kausalzusammenhangs ist zwischen der haftungsbegründenden und der haftungsausfüllenden Kausalität zu unterscheiden. Die haftungsbegründende Kausalität betrifft den Zusammenhang zwischen dem Behandlungsfehler und der Rechtsgutsverletzung, d.h ...

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