"Wenn Richter irren" - Saß Vater 7 ½ Jahre unschuldig im Knast? - Ursache und Wirkung vertauscht? Wiederaufnahmeverfahren: Schwenn

"B.s heutiger Anwalt, der Hamburger Johann Schwenn, indes sagt: "Das Landgericht Halle hat Ursache und Wirkung vertauscht." Er ist überzeugt, dass nicht eine Vergewaltigung zu psychischen Problemen der Tochter führte, sondern ihre psychischen Probleme zu einem falschen Vergewaltigungsvorwurf. Ein psychiatrisches Gutachten wurde damals offensichtlich nicht erstellt. Erst in späteren Verfahren, in denen die Frau ebenfalls Männer wegen Sexualstraftaten beschuldigte, habe es Gutachten gegeben, heißt es jetzt. Beide Male sei sie für unglaubwürdig gehalten worden. Seit Donnerstag wird nun der Fall Herbert B. in einem Wiederaufnahmeverfahren an einem anderen Landgericht, in Magdeburg, neu verhandelt. Johann Schwenn, der Wettermoderator Jörg Kachelmann erfolgreich gegen einen Vergewaltigungsvorwurf verteidigte, kennt solche Verfahren. Vor zwei Jahren hat er in Niedersachsen für einen Mann den Freispruch erwirkt, der fünf Jahre unschuldig hinter Gittern saß. Eine 15-Jährige hatte ihn der Vergewaltigung bezichtigt - sie war psychisch krank, wie sich später herausstellte. Ist auch Herbert B. Opfer eines Justizirrtums? In Deutschland, sagt Professor Ulrich Sommer, Vorstand in der Arbeitsgruppe Strafrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV), komme es täglich mehrfach zu Justizirrtümern. "Sie sind eines der Hauptprobleme der deutschen Justiz. Ein zweites Hauptproblem ist: Sie werden nicht aufgearbeitet." Was schon damit beginnt, dass sie nicht wirklich statistisch erfasst werden. In Sachsen-Anhalt wurden laut Justizministerium vergangenes Jahr 58 Wiederaufnahmeverfahren eingeleitet, davon elf an Landgerichten. Im ersten Quartal 2012 waren es 15. Die Zahlen schwanken seit Jahren zwischen 50 und 90. Wie die Verfahren enden, sagt die Statistik indes nicht.[...] Prozess Wenn Richter irren VON KATRIN LÖWE, 08.06.12, 19:27h, aktualisiert 08.06 ...Zum vollständigen Artikel


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