Tri-tra-trullala

Endlich mal wieder eine lustige Verhandlung. Damit hätte ich gar nicht gerechnet. Genau genommen hätte ich auch mit der Verhandlung nicht gerechnet, aber am Vorabend gegen 22 Uhr stand auf einmal ein Kollege vor der Tür und bat mich, diesen Termin für ihn zu übernehmen. Angeblich wegen einer Terminskollision. Wollen wir es mal glauben…

Er wies mich schon auf gewisse Merkwürdigkeiten der handelnden Personen hin. So sei die Belastungszeugin völlig wirr und man könne sie mutmaßlich ganz gut in Widersprüche verwickeln. Der Mandant wäre auch nicht ganz ohne. Er bestreitet, aber es sei besser, dass er nicht redet. Tatvorwurf war eine Beleidigung per SMS und eine Bedrohung vor der Haustür.

Es ging auch gleich gut los. Zunächst stellte ich mich dem Mandanten vor und bat ihn, ab sofort nichts mehr zu sagen. Ich wollte von ihm nur noch wissen, was die Zeugin wohl sagen werde. “Ich hoffe, die Wahrheit.” Nun ja. Das mit dem Schweigen nahm der Mandant dann etwas zu ernst. Denn zur Person muss man ja was sagen. Name und Alter ging noch. Beim Beruf (“was mit Konzerten”) wurde es schwieriger. Und bei der Frage “wieviel Kinder” antwortete er “keine”. “In der letzten Verhandlung hatten sie noch zwei” hielt die Richterin entgegen. “Mein Anwalt spricht für mich“, was mich etwas verwunderte. “Was weiß denn ich, wieviel Kinder Du hast”, raunte ich ihn leise an und befahl: “Antworten!”. Das Herumdrucksen habe ich nicht so ganz verstanden, aber egal. Danach schwieg er.

Zunächst wurde eine Polizistin vernommen, die den Text der SMS sich hat vorhalten lassen. Abfotografiert oder abgeschrieben hat sie nichts. Auch nicht auf den Absender geachtet. “Irgendwas mit Schlampe“. Das ist mal eine Basis für eine Verurteilung. Dann aber kam das vermeintliche Opfer. Selbstbewusstes Auftreten und ich hatte noch die Worte des Kollegen im Ohr. Reden sollte ich sie lassen. Und das wurde echt gut: “Herr X. ist unschuldig. Ich habe ihn falsch verdächtigt ...

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