Nicht Fleisch, sondern Fisch! Juristen waren schon immer findig

Für Juristen muss es kaum ein schöneres Zeitalter als das Elisabethanische in England um 1600 gegeben haben. Wunderschöne Gesetze und Verordnungen, die das Alltagsleben der Menschen bis ins Kleinste reglementierten, mussten zum Machterhalt der verrückten Königin Elisabeth (1558 bis 1603) und zur notwendigen Terrorisierung der Bevölkerung erdacht, ausgelegt und angewandt werden. Eine verantwortungsvolle, sadistische und sicher einträgliche Aufgabe für einen Berufstand, von dem ketzerische Zungen bestimmt zu Unrecht behaupteten und immer noch behaupten, er löse Probleme, die es ohne ihn kaum gäbe. Deshalb galt: Nieder mit den Ketzern und schnell ein paar ausgeklügelte Vorschriften zur Begründung des damals häufig verkündeten Urteilsspruchs: „Du sollst von hier zu dem Ort geführt werden, von da du kamst … und dein Leib soll geöffnet, dein Herz und dein Gedärm herausgezogen und dein Gemächt abgeschnitten und vor deinen Augen ins Feuer geworfen werden.“ Und schon wieder war ein wunderbares juristisches Auslegungsproblem geschaffen: Was sollte mit den weiblichen oder blinden Delinquenten – und noch verzwickter – mit weiblichen und blinden Delinquenten geschehen, denen man vielleicht wegen einer kleinen Vorstrafe bereits zuvor die Augen ausgestochen hatte? Aber zum Glück gab es ja damals schon nicht nur die grammatikalische Auslegung, sondern auch die nach Sinn und Verstand, also die teleologische, die breiten Raum für wissenschaftliche Dispute, Aufsätze, vielleicht sogar Dissertationen, eröffnete. Ich weiß nicht, wie das konkrete Problem seinerzeit gelöst wurde, aber sicher kam man schnell auf die Idee, Augenhöhlen ausreichen zu lassen, und sicher fand sich auch bei dem verurteilten Weibe ein passendes Körperteil, das man als Äquivalent für´s “Gemächt” abschneiden und ins Feuer werfen konnte – z.B. die Nase?

Ja, es war eine fantastische Zeit, damals im alten England – zumindest für Juristen ...

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