Der Zeuge plädiert

Es hat im Rechtsstaat schon seinen guten Sinn, dass es die Staatsanwaltschaft ist, die die Anklage vertritt und nicht etwa das vermeintliche Opfer selbst. Denn als Opfer einer Straftat wünscht man, jedenfalls wenn man nicht die Kunst des Verzeihens stark verinnerlicht hat, dem Täter regelmäßig die Pest an den Hals. Kann ich teilweise nachvollziehen. Wenn mir ein ehemaliger Mandant in der Kanzlei das Telefon klaut, dann bin ich nicht nur vor den Kopf gestoßen, sondern denke mir aus, wie der gute Mann das dann zu sühnen habe. Und rege mich vielleicht sogar noch über seinen Verteidiger auf.

Deshalb ist es wichtig, dass eine zumindest dem Grundgedanken nach neutrale Einrichtung die Anklage vor dem Gericht erhebt. Dass diese Einrichtung dann manchmal selbst in den sportlichen Ehrgeiz verfällt und aus einem diesem Ehrgeiz geschuldeten Tunnelblick nicht nachvollziehbar agiert, steht auf einem anderen Blatt. Der Grundgedanke ist in Ordnung. Die Ausführenden sollten sich frei von Vorverurteilungen machen, können es aber manchmal nicht. Menschlich auch irgendwie nachvollziehbar, auch wenn es die Objektivität der Anklage leider leiden lässt. Muss man als Verteidiger mit leben ...

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