Staat oder Markt – wer entscheidet über den Kapazitätsbedarf in Deutschland?

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Wie viel Kraftwerkskapazität ist nötig, um die Versorgungssicherheit der Deutschen sicher zu stellen? Bisher hat die Antwort auf diese Frage (zumindest in der Theorie) der Markt gegeben und nicht der Staat. Doch das könnte sich bald ändern.

Anhand der börslichen Merit-Order bestimmt sich der Strompreis nach dem Kraftwerk mit dem höchsten Grenzkosten, das gerade noch im Markt ist. Verkauft (und bepreist) wird die Kilowattstunde Strom – auf neudeutsch sind das „Energy-only-Markets“. Wer ausgehend von einer Preisprognose und einer erwarteten Einsatzzeit des Kraftwerks (Vollbenutzungsstunden) keine ausreichenden Deckungsbeiträge erwirtschaftet, um neben den Grenzkosten auch die Fixkosten und eine attraktive Rendite zu erwirtschaften, lässt den Betrieb von Kraftwerken besser sein. Dachte man zumindest bisher.

Fehlende Anreize für den Bau neuer Kraftwerke

Doch die Zeiten ändern sich: Atomkraftwerke werden eingemottet und der Ausbau der vorrangig einspeisenden Erneuerbaren wird mit ungeahnter Geschwindigkeit voran getrieben. Das wirkt sich erheblich auf den Erzeugungsmix in Deutschland aus: Die Grundlast sinkt und die Residuallast wird immer volatiler. Deutschland braucht zwar trotzdem noch konventionelle Kraftwerke, denn die geringen Vollbenutzungsstunden von Wind- und PV-Anlagen sowie fehlende Stromspeicher lassen den Bedarf an Konventionellen nur geringfügig sinken Aber das sind andere als bisher: nämlich effizientere und vor allem flexiblere Kraftwerke.

Was dafür fehlt, ist das Geld. Mit Gaskraftwerken lassen sich bereits heute kaum noch Deckungsbeiträge erwirtschaften. Alte Kraftwerke werden reihenweise stillgelegt und neue Kraftwerksprojekte abgesagt (wie beispielsweise bei Statkraft in Emden oder Repower in Brunsbüttel). Bei sich weiter verringernden Vollbenutzungsstunden von konventionellen Kraftwerken kann über den Stromverkauf allein der Betrieb nicht mehr sicher gestellt werden ...

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