Die verloren gegangene Klausur

Gerüchten zufolge ist es im Justizprüfungsamt zu einem kleinen Malheur gekommen. Von den Klausuren, welche im Januar für die staatliche Pflichtfachprüfung (ehem.: 1. Staatsexamen) geschrieben wurden, sollen 6 Stück abhanden gekommen sein. Das JPA habe den betroffenen Prüflingen drei Varianten des Umgangs mit diesem Vorfall angeboten.

Wer die erste Variante wählt, konnte die verschwundene Klausur nachschreiben. Natürlich mit anderem Sachverhalt. Dann soll den Betroffenen angeboten worden sein, dass sie auch sämtliche Examen nachschreiben könnten. Und letztlich – dahin soll sich die Mehrheit der Entscheidungen bewegt haben – wurde angeboten, dass aus den restlichen fünf Klausuren ein Durchschnittswert gebildet werde, der dann an Stelle der Note der verschwundenen Klausur eingesetzt werde. Die Frist zur Entscheidung soll ausgesprochen kurz gewesen sein.

Dazu passt eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Koblenz (Urt. v. 26.04.2012, Az.: 7 K 619/12). Dort hatte ein Student verlangt, dass eine verlorengegangene Klausur als bestanden zu bewerten sei. Dies hat das Verwaltungsgericht abgelehnt, da eine fiktive Note unzulässig sei. Gegenstand einer Bewertung und damit einer Klausurnote könne nur eine tatsächlich erbrachte und geprüfte Leistung sein. Denn die Bewertung spiegele den Leistungsstand des Prüflings wieder und soll diesen objektiv messbar machen. Das sei durch eine fiktive Note nicht zu erreichen.

Dieser Begründung, die ich leider im Volltext nicht auffinden konnte, kann man sich wohl guten Gewissens anschließen. Dem Prüfling bleibt damit nichts anderes übrig, als die Leistung nachzuholen und den zuständigen Rechtsträger ggf. im Wege der Amtshaftung für einen verspäteten Berufseintritt in Anspruch zu nehmen. Das böte sich gerade für die Betroffenen des Schleswiger Malheurs an – wenn denn die restlichen Klausuren die Prognose rechtfertigen, dass sie das Examen bestanden hätten ...

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