Ein gekauftes Sorry

Mein Mandant fühlte sich auf den Schlips getreten – und das völlig zu Recht. Ich schrieb seinen Kontrahenten an und machte Unterlassungsansprüche geltend. Eigentlich ging ich davon aus, wir werden klagen, sofern der Gegner nicht einknickt.

Die Beweislage war jedenfalls hervorragend. Doch die Sache entwickelte sich anders als erwartet. Bevor ich überhaupt was vom Gegner hörte, hatte mein Mandant völlig abweichende Vorstellungen. Diese legte er mir dar. Ich sollte dem Kontrahenten erneut schreiben. Erster Punkt war die Mitteilung, dass wir nichts unternehmen werden. Kein Problem. Ich dränge ja niemanden aufs Schlachtfeld.

Der zweite Punkt stürzte mich allerdings in gelinde Verwirrung. Ich sollte mich beim Gegner ausdrücklich entschuldigen. Nicht im Namen meines Mandanten, sondern persönlich. Nach dem Motto: Das Schreiben tut mir furchtbar leid, das hätte nicht passieren dürfen. Bitte verzeihen Sie mir noch mal.

Für mich war das eine komplett neue Situation. Ich fragte sicherheitshalber nach, ob ich alles richtig verstanden hatte. Entschuldigung? “Ja.” In Ihrem Namen? “Nein, Sie sollen sich selbst entschuldigen. Für den Brief insgesamt.” Näheres wollte mir der Mandant nicht erklären ...

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