Wer nicht sehen will, muss fühlen. Eine Kritik der Rede vom multisensorischen Recht (Teil VIII)

(Fortsetzung des Beitrags vom 20. März 2012). V. Themen, die für das multisensorische Recht in Anspruch genommen werden 1) Rechtsvisualisierung … 10) Sinnenorientierte Metaphern Schließlich werden auch sinnenorientierte Metaphern für das MRS vereinnahmt. Die Reihe einschlägiger Beispiele ist lang. Einige bezeichnen spezielle Aspekte des Rechts wie »Auge des Gesetzes«. Andere sollen die Gesamtqualität des Rechtssystems ausdrücken. Brunschwig (2011:654) zitiert den niederländischen Europarechtler Eijsbout, der, auf das irische Rechtssystem gemünzt, sagt, man könne es als ein Sinnesorgan betrachten, das Eindrücke und Gefühle, Tatsachen und Geschichten aufsauge, und das sensorisch verkümmere, wenn der Nachschub ausbleibe.1 Das erinnert an Cassirer, der in einem Symbolsystem keine bloße Imitation der Realität und nicht bloß die »Hülle der Gedanken« sah, sondern vielmehr »ein notwendiges und wesentliches Organ«. Denn nur mit deren Hilfe könne ein reales Phänomen zum Gegenstand intellektueller Reflexion und damit sichtbar gemacht werden.2 Mit der Gleichsetzung von Symbolsystemen als Wahrnehmungssystemen entfernt man sich aber schon sehr weit von der sensorischen Basis. Wohl noch reichlicher als sinnenorientierte sind Körpermetaphern. Als Metapher dienen der Körper als Ganzes oder seine Teile. Das brauche ich hier nicht weiter auszuführen. Ich will nur noch einmal auf das schöne Buch von Herrn Haltern über »Obamas politischen Körper« hinweisen. Als Vorläufer hatte ich das im Jahr zuvor erschienene Buch von Philip Manow »Im Schatten des Königs. Die politische Anatomie demokratischer Repräsentation« gelesen.3 Ich hatte da den Eindruck einer geistreichen Überinterpretation der Körpermetapher. Es lassen sich leicht weitere Beispiele finden. Erstaunlich, dass das Rechtsgefühl nicht genannt wird. Nicht zuletzt die Musik liefert Metaphern für den Umgang mit dem Recht, so wenn von der Melodie des Rechts die Rede ist ...

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