Recht im Internet 2 – Zu wenige Gebote? Abbruch! ABBRUCH!

Nachdem nun nach dem ersten Beitrag geklärt ist, daß es sich bei einer eBay-Auktion um einen Vertrag handelt, der mit dem Höchstbietenden zustande kommen soll, stellen Sie sich bitte den folgenden Fall vor:

Sie stellen einen Artikel im Wert von mehreren Tausend Euro ein. Die Auktion beginnt bei einem Euro und neigt sich nun ihrem Ende entgegen. Geboten wurde nur ein vergleichsweise mickriger Betrag. eBay gibt dem Verkäufer nun die Möglichkeit, die Auktion vorzeitig zu beenden. Sind Sie damit aus dem Schneider (und der aktuell Höchstbietende ein Schnäppchen ärmer)?

So dachte es sich jedenfalls der Verkäufer eines Wohnmobiles im Wert von ca. 2.000,- €, bei dem das Höchstgebot bei gerade einmal 56,- € lag (LG Dettmold Urteil v. 22.02.2012 – 10 S 163/11, vgl. den Beitrag hier). Ähnlich verfuhr der Verkäufer eines Pkws (Zeitwert 12.000,- €), der das Höchstgebot von knapp 4.500,- € vermutlich ebenfalls ernüchternd fand (OLG Oldenburg Urteil v. 28.07.2005 – 8 U 93/05). Noch deutlicher verkalkuliert hatte sich der Verkäufer eines Rübenroders (Zeitwert: 60.000,- €), bei dem das Höchstgebot bei nur 51,- € lag (OLG Köln, Urteil v. 08.12.2006 – 19 U 109/06).

In all diesen Fällen zog der Verkäufer die vermeintliche Reißleine und brach die Auktion ab.

Spontane Ernüchterung wird dann die Rechtsprechung beschwert haben. So befanden die Gerichte, daß der Vertrag mit demjenigen zustande gekommen war, der bei Abbruch der Auktion Höchstbietender war.

Hierzu etwa das LG Dettmold:

“Zu berücksichtigen sind vielmehr die Umstände des Einzelfalls. Diese aber rechtfertigen bei Internetgeschäften der vorliegenden Art auch bei einem groben Missverhältnis von Preis und Leistung nicht ohne Weiteres den Rückschluss auf eine verwerfliche Gesinnung des Käufers bzw. auf ein Ausnutzen einer Schwäche des Verkäufers ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK