Justizblüten der besonderen Art: Haftfortdauer trotz Bewährung

Der Kollege Flauaus berichtet in seinem Blog unter dem Titel “Du nix brauche Dolmetscher, du gehe Knast” über einen Richter, der einen jamaikanischen Angeklagten, der kein Deutsch spricht, ohne Anwesenheit eines Dolmetschers (aber immerhin und schrecklicherweise mit Verteidiger) zu einer Strafe ohne Bewährung verurteilt hat. Kaum zu glauben? Es geht noch doller, das habe ich vor Jahren selbst vor einem hiesigen Gericht erlebt.

Richter Harry Hübsch (Name geändert) war mehr als zwei Jahrzehnte lang Beisitzer in einer Schwurgerichtskammer gewesen, bevor er auf eigenen Wunsch als Einzelrichter ans Amtsgericht versetzt wurde. Dort zeigte er in einer Reihe skurriler Entscheidungen, dass ein Richter, der immer unter der Kuratel eines dominanten Vorsitzenden stand, grundlegende prozessuale Kenntnisse aus den Augen verlieren kann.

Wie auch der Kollege Flauaus betrat ich den Sitzungssaal und nahm auf der Zeugenbank Platz, weil die vorhergehende Verhandlung noch nicht beendet war. So bekam ich mit, wie Richter Hübsch ein Urteil gegen einen anwaltlich nicht vertretenen und offensichtlich kaum sprachkundigen Kosovo-Albaner verkündete. Ein Dolmetscher fehlte auch hier. Ich erinnere mich nicht mehr daran, worum es in dem Fall ging, aber die Strafe lautete auf 10 Monate mit Bewährung. Soweit, so gut (oder auch nicht) ...

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