Während der Krankheit kann man ruhig mal ins Fitnessstudio

Ein angestellter Kfz-Sachverständiger, dessen Arbeitgeber wohl ohnehin schon kein sonderlich herzliches Verhältnis zu ihm pflegte, meldete sich wegen eines grippalen Infekts krank. So weit, so gut. Das kommt vor. Nut wurde dummerweise der Arbeitnehmer dabei beobachtet, wie er während der „Krankschreibung“° nicht nur im Fitnessstudio beobachtet wurde, sondern auch bei gelegentlichen Gutachtertätigkeiten.

Juhuuu! dachte sich da der Arbeitgeber, stellte die weitere Entgeltzahlung während der Erkrankung ein und kündigte fristlos, hilfsweise fristgerecht. Allerdings zu Unrecht, wie das LAG Köln (Urteil vom 02.11.2011 - 9 Sa 1581/10) entschied.

Den ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen kommt ein hoher Beweiswert zu. Sie begründen eine tatsächliche Vermutung, dass der Kläger infolge Krankheit arbeitsunfähig war. Bezweifelt der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, dann muss er Umstände, die gegen die Arbeitsunfähigkeit sprechen, näher darlegen und notfalls beweisen, um dadurch die Beweiskraft des Attests zu erschüttern. Es ist stets zu prüfen, ob diese Umstände so gravierend sind, dass sie ein starkes Indiz für die Behauptung des Arbeitgebers darstellen, die Krankheit sei nur vorgetäuscht worden, so das LAG Köln zu Recht. Es wird also klar, dass zwar der gelbe Schein die Krankheit nicht abschließend und unumstößlich beweist, aber doch zumindest eine sehr starke Vermutung begründet, dass eben der Arbeitnehmer tatsächlich wegen Krankheit nicht (ganztägig) arbeiten kommen kann. Und wie das mit Vermutungen im Zivilprozess eben so ist: sie stehen erst einmal da, solange niemand wirklich das Gegenteil darlegt und beweist.

Entgegen landläufiger Meinung beinhaltet die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers keine Verpflichtung, sich den ganzen Tag zu Hause oder gar im Bett aufzuhalten; am besten noch mit dem Telefon neben dem Bett, damit der Arbeitgeber das auch jederzeit überprüfen kann ...

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