„Opa war doch längst dement!“ – Wie beweist man Testierunfähigkeit?

Wenn Angehörige das Testament nicht akzeptieren

Wir werden immer älter, im statistischen Durchschnitt rund 80 Jahre. Kaum ein Drittel der Deutschen schreibt überhaupt ein Testament. Von diesen warten damit viele bis ins hohe Alter. Tritt dann der Erbfall ein, gibt es nicht selten Angehörige, die vom Inhalt des Testaments enttäuscht sind und sich benachteiligt fühlen. Wäre das Testament unwirksam, träte die gesetzliche Erbfolge ein, was für nahe Angehörige attraktiver sein kann. So kommen manche Verwandte auf die Idee, die Testierfähigkeit anzuzweifeln und das Testament mit dem Argument Demenz oder psychische Erkrankung für nichtig erklären zu lassen.

Die Idee liegt nah, die Umsetzung ist aber schwierig, denn Wirksamkeit des Testaments ist die Regel, Testierunfähigkeit ist dagegen die zu beweisende Ausnahme. Wer also eine letztwillige Verfügung angreifen will, muss das Gericht davon überzeugen, dass der Ersteller zu dieser Zeit dazu geistig definitiv nicht mehr in der Lage war. In den meisten Fällen ein extrem schwerer Beweis, denn die betroffene Person selbst kann man nicht mehr untersuchen, man ist auf Zeugenaussagen von Angehörigen, Freunden oder Pflegepersonal angewiesen.

Wie beweist man Testierunfähigkeit?

Sofern es sich nicht um einen der seltenen klaren Fälle handelt, bei denen der Erblasser schon zu Lebzeiten vom Facharzt als dement diagnostiziert wurde, muss dies im Prozess durch Gutachten bewiesen werden. Dabei sollte der Anwalt unbedingt darauf hinwirken, dass das Gericht einen erfahrenen Psychiater als Sachverständigen bestellt. Besonders kompetent sind Fachärzte für Psychiatrie (Schwerpunkt forensische Psychiatrie), nicht dagegen reine Neurologen oder Psychotherapeuten. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass nicht alle Gutachter wissen, worauf es rechtlich ankommt ...

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