Zu den Anfängen der Immaterialgüterrechte: Johann Albert Heinrich Reimarus

Johann Albert Heinrich Reimarus hat sich gegen das Bestehen eines Immaterialgüterrechts in Form von geistigem Eigentum ausgesprochen. In der Schrift: Erwägung des Verlags-Rechts in Ansehung des Nachdruks aus dem Jahr 1792 will er die Nachdrucker zwar nicht ausdrücklich verteidigen, allerdings spricht er sich auch gegen eine gesetzliche Regel aus, welche den Nachdruck untersagt. Vielmehr gehöre diese Frage zum Gewissen eines jeden einzelnen und solle an Maßstäben der Sittenwidrigkeit gemessen werden. Zunächst stellt er zwei Thesen vor, von denen sich seiner Auffassung nach alle Sätze der Gegner des Büchernachdrucks ableiten lassen. "Das ausschließliche Eigenthum des Inhalts einer Schrift, oder das Recht über dieselbe, bleibe dem Verfasser, oder dem welchem es übertragen ist, auch nachdem sie publiziert worden sey." (S. 6) "Beym Verkauffe einer öffentlich ausgegebenen Schrift könne man rechtsbeständige Bedingungen oder Einschränkungen machen, in wie ferne die Sache von dem Käuffer zu nutzen sey, oder nicht." (S. 6) Er entgegnet den Befürwortern mehrere Argumente: Zunächst versucht er die Annahmen der Befürworter anhand von Sprachbildern ad absurdum zu führen: "Der Vogel ist mein Eigenthum – auch nachem ich ihn habe fliegen lassen? Das Geheimnis bleibt mein, auch nachdem ich es offenbaret habe? Welcher Schriftsteller hat wohl je, ehe die Druckerey erfunden ward, sich ein solches bleibendes Eigenthum über seine Gedanken angemasset?" (S. 7) Reimarus argumentiert, dass ein Wort dass einmal ausgesprochen, nicht mehr in der Macht des Verfassers steht. Auf S. 10 reduziert er das Recht an den Gedanken des Verfassers sogar soweit, dass es dem Verfasser lediglich gegönnt war, sie als erstes zu haben. Die Verfielfältigung einer Schrift durch den Nachdruck ist, laut Reimarus, daher nichts anderes als die Nutzung bekanntgemachter Gedanken eines gekauften Buches ...Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK