“Missbrauch dieser Kinder”

Das Titelbild der Wochenzeitung zeigt ein Romakind mit abgeblättertem Nagellack, das eine Windjacke trägt und mit einer schwarzen Pistole auf den Betrachter zielt. Darunter der Text: “Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz”.

Was denken Sie in dem Augenblick? Etwa NICHT, dass es sich bei dem auf dem Cover der Zeitung dann abgebildeten Kind um eben ein solches Roma-Kind handle? Das zu den Familien gehöre, die auf Raubzüge gehen? Das Gesicht eines zweifelsfrei erkennbaren Kindes, das auf Dauer und auf unabsehbare Zeit und im Net in Windeseile verbreitet und mit dem Thema verbunden als solches auch “gebrandmarkt” wird und bleibt. Genau darauf zielt das Cover, genau das ist Zweck. Genau das bleibt.

Wenn es denn wahr wäre. Und genau darin liegt die Perfidie, der Geschichte und des Bildes, die durch den österreichischen Journalist Klaus Kamolz ins Kreuzfeuer der Kritik gerückt wurde. Als er – diesen Berichten zufolge - die Verantwortlichen und damit an erster Stelle Chefredakteur Roger Köppel wegen Titelfoto und Titelzeile anzeigte. Mit dem Ziel, damit ein “symbolisches Zeichen gegen die Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher” setzen, so Kamolz. Anzeigen aus Deutschland und auch der Schweiz folgten, mittlerweile befasst sich die “Eidgenössische Kommission gegen Rassismus” mit der Angelegenheit.

Wegen der Bildauswahl der Schweizer Journalisten: Das Foto des kleinen Roma ist gar nicht in der Schweiz aufgenommen. Es stammt aus einer Serie des italienischen Fotografen Livio Mancini und entstand 2008 im Kosovo auf einer Mülldeponie in der Stadt Gjakova ...

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