„Fragen von Anwälten beantworte ich nicht. Ich kooperiere nur mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft“ – Ein Pirat wechselt auf merkwürdige Art die Fronten

Hamburger Landgericht, Eingangsportal

Gestern jährte sich zum 2. Mal der Überfall von 10 somalischen Piraten auf den damals in Hamburg registrierten Frachter MS Taipan vor dem Horn von Afrika. Bei youtube findet sich ein beeindruckendes Video von der Befreiung des Schiffes durch niederländische Marines und von der Festnahme der Piraten, die danach aufgrund eines deutschen Ersuchens zunächst in die Niederlande und von dort nach Hamburg verbracht wurden, wo sie seit nunmehr 16 Monaten vor Gericht stehen.

Im Januar war die Beweisaufnahme schon einmal geschlossen worden und die Staatsanwaltschaft hatte plädiert. Harsche Freiheitsstrafen von bis zu 11 ½ beantragte sie für die überwiegend geständigen Angeklagten. Da sollen wohl unabhängig vom Maß der persönlichen Schuld Exempel statuiert werden, denkt man als Verteidiger. Gegen Abdiwali, den von mir verteidigten jüngsten Angeklagten, wurden immerhin noch 4 Jahre Jugendstrafe beantragt, wobei es an Ausführungen zur Sozialprognose und zu erzieherischen Aspekten weitgehend fehlte. Ich habe hierüber schon verschiedentlich im strafblog berichtet.

Nach dem Schlussvortrag der Staatsanwaltschaft wurden insbesondere seitens der Verteidigung des ältesten Angeklagten neue Beweisanträge gestellt, die einen Wiedereintritt in die Hauptverhandlung erforderten. Seitdem hat das Verfahren neue Dynamik entfaltet. Eine zwischenzeitlich erfolgte Abtrennung gegen 5 Angeklagte, deren Verfahren entscheidungsreif erschien, wurde wieder rückgängig gemacht, nachdem einer der anderen Angeklagten, Khalief. D., dem Gericht überraschend mitgeteilt hatte, er wolle jetzt Angaben dazu machen, wie alles wirklich abgelaufen sei und welche Rolle die anderen Angeklagten im Einzelnen gespielt hätten.

Inzwischen sind weitere Hauptverhandlungstermine bis Ende Mai bestimmt. Für Juni und Juli laufen bereits Planungen. Ursprünglich war das Verfahren bis Ende März 2011 terminiert gewesen.

Khalief D ...

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Niederländische Marine befreit gekapertes deutsches Schiff

quelle Dutch MoD 30.4.2010 http://www.defensie.nl Die Niederländische Marine hat am Ostermontag ein gekapertes deutsches Schiff gewaltsam befreit. Wie ein Sprecher mitteilte, war die „MS Taipan vor der somalischen Küste von Piraten angegriffen worden, die entschlossen waren Widerstand zu leisten. Wie ein Sprecher der EU-Marinemission Atalanta mitteilte, war die "Taipan" kurz zuvor etwa 500 Seemeilen östlich der somalischen Küste auf dem Weg von der kenianischen Hafenstadt Mombasa nach Dschibuti von Piraten angegriffen worden. Als klar war, dass das Schiff den Booten der Seeräuber nicht entkommen konnte und die Piraten die "Taipan" enterten, folgte die Besatzung den Atalanta-Ratschlägen und stellte alle Maschinen ab, um das Schiff manövrierunfähig zu machen. Gleichzeitig alarmierte sie die im Golf von Aden patrouillierenden Kriegsschiffe, ehe sie sich in einem Sicherheitsraum des Schiffes verschanzte. Das niederländische Marineschiff "Tromp", das sich in der Nähe des Überfallorts befand, versuchte zunächst, mit den Piraten zu verhandeln, teilte Atalanta weiter mit. Da die Piraten aber entschlossen waren, Widerstand zu leisten, entschloss sich die Einsatzleitung zur gewaltsamen Befreiung des Schiffes. Bei Schusswechseln mit den Piraten wurde ein holländischer Marinesoldat verletzt, teilte das Verteidigungsministerium in Den Haag mit. Ein Team der niederländischen Fregatte seilte sich auf das Containerschiff ab. Bei dem Einsatz wurden zehn Piraten festgenommen. Die 15-köpfige Mannschaft der "Taipan", unter ihnen zwei Deutsche, blieb unverletzt. thx an T.Wiegold für den Tipp



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