Gnadenlose Staatsanwaltschaft: Zitronensaft in offenen Wunden tut jetzt dem Chefarzt weh

Foto:André Karwath aka Aka

Es kommt nicht allzu oft vor, dass die Staatsanwaltschaft gegen Halbstrafenentscheidungen einer Strafvollstreckungskammer Beschwerde einlegt. Im sogenannten “Zitronensaft-Fall” um den früheren Inhaber und Chefarzt einer Wegberger Klinik, Dr. P., hat sie aber – wie der Blog jus@publikum berichtet - von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und zum Nachteil des Mediziners eine Aufhebung der Halbstrafenentscheidung erreicht. Dr. P. war in einem vielbeachteten Verfahren vor dem Landgericht Mönchengladbach, in dem ich eine mitangeklagte Assistenzärztin verteidigt hatte, u.a. wegen fahrlässiger Tötung sowie Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt worden. Der Fall hatte unter anderem deshalb für mediale Furore gesorgt, weil Dr. P. vorgeworfen wurde, entgegen den Regeln der ärztlichen Kunst und aus Gründen der Kostenersparnis offene Wunden durch die Einbringung von frisch gepresstem Zitronensaft behandelt zu haben. Mehrere Patienten waren nach Ansicht des Gerichts an den Folgen fehlerhafter Behandlung gestorben. Meine Mandantin war vom Vorwurf der Körperverletzung und der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden.

Das Urteil gegen Dr. P. kam letztlich im Rahmen einer Verständigung gem. § 257 c StPO zustande. Die Kammer hatte auf der Grundlage der getroffenen Absprachen im Urteil unter anderem festgestellt, dass 11 Monate Haft im Wege der Kompensation wegen überlanger Verfahrensdauer als verbüsst gelten. Ein paar Monate Untersuchungshaft waren ebenfalls auf die Haftstrafe anzurechnen. Die Reststrafe trat Dr. P. im Juni 2011 im offenen Vollzug der JVA Euskirchen an. Im Dezember 2011 galt die Hälfte der verhängten Strafe als verbüßt ...

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