Frechheit siegt nicht mehr

Leicht gebückt sitzt der kräftige Mann auf der Anklagebank. 63 Jahre ist er inzwischen alt. Bärtig, wortkarg. Geständig ohne Drumherum, ohne Schönfärberei.

Betrug mit Kapitalanlagen, Mietbetrug bei Wohnungen und Autos, unbezahlte Einkäufe unter vermeintlichen Firmennamen - alles hat der gebürtige Wattenscheider schon hinter sich. "Einen Betrüger, wie er im Buche steht" hat ihn ein Staatsanwalt einmal genannt. Seit 1968 reiht sich Strafe an Strafe, später dann Haft an Haft.2010 kaum entlassen, wird er sogleich rückfällig, ergaunert Waren wie Dienstleistungen für rund 20000 Euro. Und wieder führt sein Weg zurück in die Justizvollzugsanstalt - nach dem Urteil des Schöffengerichts diesmal für drei Jahre und neun Monate.Ein Unverbesserlicher? "Er ist mit offenen Augen ins offene Messer gelaufen", meint sein Verteidiger Werner Siebers im Prozess im Braunschweiger Amtsgericht. In zehn Anklagen ballen sich seine betrügerischen Lebensstrategien, mit denen sich der 63-Jährige über Wasser hielt, seit er vor zwei Jahren vorzeitig und laut Siebers unvorbereitet vor die Knasttür gesetzt wurde.In Haft auf Drogen-Ersatzstoffe umgestellt, locken nach der Entlassung wieder die Freiheit und das Kokain. Auch dazu braucht er offenbar das Geld. "Ich habe versucht, wieder Fuß zu fassen, und habe es einfach nicht hingekriegt." Das ist einer der wenigen Sätze, die der 63-Jährige vor Gericht sagt. Sein Anwalt erklärt die Taten mit einem "gewissen Maß an Realitätsverlust".Immer wieder geht es um Betrug - in Braunschweig, Magdeburg, Peine, Goslar und Königslutter. In großen Elektro-Märkten legt der Arbeitslose Einkaufsermächtigungen vermeintlicher Firmen vor ...
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