Der Körper als Thema des Rechts

In der Serie zur Kritik des so genannten multisensorischen Rechts geht es nicht zuletzt um Körperlichkeit. Im Eintrag vom 10. Februar 2012 ist vom »Sensual Turn« der Humanwissenschaften und seiner Rezeption in der Jurisprudenz die Rede. Da ist zwischendurch ein Hinweis auf drei Beiträge aus den USA am Platz, die sich mit dem Thema Körper und Recht befassen.

Im Einleitungsaufsatz zu einem Themenheft des Medical Law Review wollen Fletcher, Fox und McCandless feministische Vorstellungen in das Medizinrecht einbringen.1 Dazu skizzieren sie ganz grundsätzlich die Konzepte, die das Recht für den Umgang mit dem menschlichen Körper bereithält. Es sind drei,

der Körper als Bereich der Selbstbestimmung,

der Körper als Eigentum und

der Körper als Sitz des Lebens.

Mit dem Körper als Bereich der Selbstbestimmung haben Feministen die geringsten Probleme. Dagegen ist ihnen das Eigentumsbegriff grundsätzlich suspekt, weil sie damit untrennbar die Vorstellung einer Kommodifizierung und damit Entfremdung des weiblichen Körpers verbinden. Auch der Körper als Sitz des Lebens ist aus feministischer Sicht nicht unproblematisch, weil die idee der Unverletzlichkeit des Lebens symbolisch auch auf an sich nicht lebensfähige Körperbestandteile ausstrahlt und damit die Selbstbestimmung in mancher Hinsicht begrenzt. Die Autorinnen verwerfen diese Konzepte nicht ganz, meinen aber – unter Berufung auch auf Alan Hyde –, dass das Recht damit der elementaren Bedeutung von Schmerz, Alter und Tod, Sexualität und sexueller Ambiguität, Schwangerschaft und Unfruchtbarkeit nicht gerecht werde.

Nach dem traditionellen feministischen Ansatz dient die Markierung der zweier Geschlechter der Legitimation männlicher Herrschaft und sozialer Ungleichheit. Als Gegengabe war die Sex-Gender.Unterscheidung gedacht. Die Autorinnen sehen den daraus folenden Sozialkonstruktivismus jedoch distanziert, denn er habe eine Geringschätzung der Körperlichkeit zur Folge ...

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