Ich weiß, dass ich nerve, Herr Pohlen, aber …. Haftsachen auf bayerisch

Es gibt Kollegen, die geben schon aus Prinzip ihre Handynummer nicht an Mandanten heraus. Ihren Sekretärinnen untersagen sie streng, die Nummer ohne ausdrückliche Erlaubnis Dritten mitzuteilen. Ich habe das schon immer anders gehandhabt. Meine Mobilnummer steht auf meiner Visitenkarte und mich kann man jederzeit erreichen oder mir zumindest auf meine regelmäßig abgehörte Mobilbox sprechen. Hätte ich nur Mandanten wie Herrn X, würde ich diese Praxis wohl notgedrungen ändern. “Herr X muss wirklich große Sehnsucht nach dir haben, vielleicht will er ja ein Verhältnis mit dir anfangen”, mutmaßte meine Lebensgefährtin schon mehrfach, wenn mein iPhone Abends oder am Wochenende mal wieder innerhalb weniger Minuten ein ums andere Mal Laut gab, um eine gerade einkommende sms zu signalisieren. Und meistens dauerte es dann nur wenige Minuten, bis der unverkennbare Klingelton (The Lonely Sheperd von Zamfir aus Tarantinos Kill Bill vol 1) einen Anruf ankündigte. “Sicher wieder Herr X?!!!”, bekam ich dann zu hören, gekoppelt mit der Frage, warum ich dem Herrn nicht mal den Marsch blase. “Der sorgt sich halt um seine Frau”, meinte ich dann um Verständnis ringend, wobei ich abwägen musste, ob ich dem hilfesuchenden Mandanten oder dem Privatleben den Vorrang geben sollte. Wenn ich mich für Letzteres entschied, schickte ich zumeist eine sms zurück “Geht jetzt nicht, rufen Sie Morgen dann und dann an”. Manchmal reagierte ich auch gar nicht und dachte, jetzt muss er halt mal warten. Immerhin habe ich auch ein Leben abseits vom Job.

Täglich schickte Herr X mir seit der Inhaftierung seiner Ehefrau, die meine eigentliche Mandantin ist, neben zahllosen sms eine Vielzahl von emails, in denen er sich nach dem Stand der Sache erkundigte, seine völlig berechtigte Empörung über den auch aus meiner Sicht unberechtigten Haftbefehl gegen seine Frau artikulierte, auf seine Verzweiflung und die der Kinder hinwies und an mich appellierte, dass man doch etwas tun müsse ...

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