“Präsente Zeugin” abgewiesen – und doch geladen

Was von der Verteidigung als Überraschungscoup geplant war, wurde zu einer kleinen Fehlzündung. Tatsächlich präsentierte die Anwälte von Verena Becker im „Buback-Prozess“ am Donnerstag die frühere Terrorhelferin Monika Haas. Doch der Senat war von dieser Überraschungsaktion nicht sonderlich angetan und gab den Strafverteidigern Walter Venedey (Berlin) und Hans-Wolfgang Euler (Frankfurt) eine kleine, feine Lektion in Strafprozessrecht. Und trotzdem wird Monika Haas als Zeugin kommen.

„Sie kann in wenigen Minuten hier sein“, hatte Rechtsanwalt Euler zuvor erklärt. Monika Haas sei aus Frankfurt angereist und aussagebereit. Wie die Verteidigung denn Frau Haas geladen habe, wollte der Vorsitzende Richter Hermann Wieland daraufhin wissen. Per Gerichtsvollzieher? Nein, sagten die Verteidiger, sie sei einfach da. Daraufhin gab es einen kurzen Streit über Paragraphen der Strafprozessordnung – und für einen Moment sah es so aus, als würden die Verteidiger einen Punktsieg davontragen. Doch offenbar hatte der Vorsitzende sie ganz bewusst auf Glatteis geführt. Denn Wieland hatte die entsprechenden Fundstellen für seine Rechtsauffassung schon zum Verteilen kopiert. Und nach kurzer Pause mussten die beiden Anwälte einräumen, dass der Vorsitzende formal im Recht war. Sie hatten die Präsentation der Zeugin nicht korrekt eingefädelt, der von ihnen benutzte „Kurzkommentar“ zur StPO gab nicht die ganze Breite des juristischen Problems wieder. Bevor Nicht-Juristen jetzt falsche Schlüsse ziehen: Dieser Kurzkommentar hat stolze 2 ...

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