Die Ruheaktivität des Gehirns – neuroethische Implikationen; zukünftige Wege zum besseren Verständnis forensisch relevanter Funktionsstörungen; von Dr. med. Birgit Utaka Barnikol

Dr.med. Birgit Utako Barnikol ist Ärztin und Neurowissenschaftlerin u.a. an der Universität zu Köln. In dem nachfolgenden Artikel beschäftigt sie sich mit neuen Forschungsansätzen, die auch für die forensische Begutachtung und für die Frage nach dem freien Willen – als Grundlage von Schuld - von Bedeutung sein können.

Die Ruheaktivität des Gehirns – neuroethische Implikationen

Gegenstand aktueller neurowissenschaftlicher Analysen bei psychiatrischen und neurologischen Patienten ist die Untersuchung der Aktivitätsänderungen des Gehirns bei gezielten kognitiven Entscheidungsprozessen nach Exposition externer Stimuli (1). In Metaanalysen bei gesunden Erwachsenen konnte gezeigt werden, dass die Ruheaktivität des Gehirns im Vergleich zu Hirnaktivitäten, die während exekutiver kognitiver Hirnprozesse zu beobachten sind, erhöht ist (2).

Man bezeichnet diese bei kognitiven Vorgängen erniedrigte Hirnruheaktivität auch als relative Deaktivierung der Ruheaktivität bzw. Inhibition der Ruheaktivität (1,2).

Der Ruhezustand des Gehirns- international auch Default-Mode genannt- spiegelt nach heutigem neurowissenschaftlichem Verständnis eine spontane synchrone Aktivität während entspannter Wachheit, Innenschau, Tagträumen und stimulusunabhängigem Nachdenken wider (2, 3). Die hirnanatomisch strukturell definierten Korrelate des Default-Systems finden sich im frontalen, posterioren und hippocampalen Anteilen des Gehirns wieder und sind in ihrer intrinsischen Funktion nach heutigem Wissensstand dem Gedächtnis, sozialer Identität, Empathie und ‚theory of mind’ (Verstehen der Intentionen anderer Individuen) zuzuordnen (3,4)

Das Default-System unterliegt hierbei signifikanten Reifungsprozessen von der Kindheit bis zum Jugend und Erwachsenenalter (5) ...

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