Eine kleine Geschichtsnase Pep

Quelle: PD-USGOV.

Der Rumäne Lazar Edelanu stellte in seinem Labor an der Humboldt-Universität in Berlin bereits im Jahre 1887 erstmals 1-Phenylpropan-2-amin her, für das man damals keinerlei Verwendung fand. Die Formel verschwand in den Schubladen der Chemiker bis Gordon Alles in Los Angeles in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein künstliches Salz zur Bekämpfung von Asthma entwickelte und ihm den Namen Amphetamin gab. Unter Umgehung des Patentschutzes fabrizierte die Firma Smith, Kline und French Laboratories aus Philadelphia wenig später das “Medikament” Benzedrine, das mit eingetragenem Warenzeichen in einer nie da gewesenen Erfolgsgeschichte schon bald den Pharma-Markt als Wundermittel gegen Asthma, Epilepsie, Schizophrenie, Depressionen, Migräne, Impotenz, Alkoholismus und sogar Nachtblindheit eroberte. Nach wenigen Jahren war klar, dass Amphetamin medizinisch wirkungslos war. Lediglich seine aufputschende, appetitzügelnde Wirkung und eine beruhigende Wirkung bei hyperaktiven Kindern konnte wissenschaftlich belegt werden. Als Beispiel für die damalige Anwendung des “Wundermittels”: Bei den Dreharbeiten zum Hollywood-Filmmusical “Wizard of Oz” verschrieb ein Arzt der pupertierenden Hauptdarstellerin Judy Garland, die für ihre kindliche Rolle als Dorothy langsam zu reif und üppig wurde, Benzedrine in großen Mengen. Damit wurde ihr Hungergefühl so reduziert, dass das Wachstum ihrer Brüste gestoppt werden konnte. Mit den auftretenden Nebenwirkungen konnten die Filmproduzenten gut leben, denn unter der aufputschenden Wirkung des Amphetamins sang Judy nun mit sperrangelweit aufgerissenen strahlenden Augen ihr Erfolgslied “Over the Rainbow”.

Über Jahrzehnte galt der Stoff als Kokain für Arme oder als preiswertes Aufputschmittel, das noch bis 1988 in deutschen Apotheken – z.B. unter dem Namen Captagon – verkauft wurde und erst seitdem dem Betäubungsmittelgesetz unterfällt ...

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