Zum Gegenstand der Anklage und zum Beginn des Mordversuchs – Manchmal reicht schon das Klingeln an der Haustür

Eingang zum Bundesgerichtshof, Foto: wikimedia commons

Ein ganz realer Krimi war das, was sich im Frühjahr 2010 im Zuständigkeitsbereich des Stuttgarter Landgerichts abgespielt und den 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs zu einem nicht nur für Strafjuristen interessanten Urteil veranlasst hat.

Die Angeklagte war aus hier nicht näher zu erörternden (und mir auch nicht bekannten) Gründen zu der Überzeugung gelangt, ihre ehemalige Freundin und Arbeitskollegin R. versuche, durch „legale Machenschaften“ ihr Leben zu zerstören. Deshalb beschloss die Angeklagte, sich an R. zu rächen und diese gegebenenfalls zu töten. Sie rief am 15.3.2010 bei R. an und teilte ihr ohne Namensnennung mit: „Du bist tot.“ Nachdem sie sich vergeblich um den Erwerb einer Schusswaffe bemüht hatte, packte sie am 13. Mai 2010 – es war Christi Himmelfahrt – mehrere Messer und einen Teleskopschlagstock in ihre Tasche und fuhr zu R., um diese mit einem Messer anzugreifen und „unter Umständen lebensgefährlich zu verletzen“. Sie gelangte in das Wohnhaus, in dem R. wohnte, und klingelte an deren Wohnungstür. Dabei hatte sie ein Brotmesser mit einer Klingenlänge von ca. 13 cm in der Hand. Nach den Feststellungen des Landgerichts wollte sie R. unmittelbar nach dem Öffnen der Tür angreifen. Allerdings wurde die Tür dann entgegen ihren Erwartungen nicht von R., sondern von deren Lebensgefährten H. geöffnet. Die Angeklagte machte eine Stichbewegung gegen dessen Oberkörper. Als sie versuchte, sich an ihm vorbei in die Wohnung zu drängen, gelang es H., die Angeklagte zu umklammern und festzuhalten. Um sich zu befreien, schnitt diese ihm mit dem Messer in den Unterarm. Als H. sie immer noch nicht losließ, biss sie in seinen Arm. Dem bedauernswerten H. gelang es, sie in den Hausflur zu schieben und die Tür hinter ihr zu verschließen.

Das Landgericht hat die Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil des H. zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt ...

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