Über den Kunstmarkt, den genialen Fälscher Beltracchi und über Otto

Wolfgang Beltracchi mal anders

Eigentlich wollte ich zum Kölner Beltracchi-Verfahren, das von den Medien zum größten Kunstfälscherprozess der deutschen Justizgeschichte erklärt worden ist, mit Rücksicht auf Otto nichts bloggen. Otto, der in der Presse auch schon mal zum Cheflogistiker der Beltracchi-Machenschaften hochstilisiert wurde, legt nämlich – anders als Wolfgang Beltracchi, der früher Fischer hieß – keinen Wert auf öffentliche Wahrnehmung. Im Gegenteil: Otto ist froh, dass der Prozess und das Blitzlichtgewitter der Kameras vorbei sind. Er will jetzt Abstand finden von einer längeren Phase seines Lebens, in der er einerseits von der schwammartigen Saugkraft des Kunstmarktes profitierte, der auf der Suche nach immer neuen Meisterwerken gerne mal über Fälschungsmerkmale hinwegschaut oder diese gar nicht erst wahrnimmt, und die ihn andererseits einige Jahre Freiheit gekostet hat bzw. noch kosten wird. Und das ist für einen Mann, der 69 Jahre alt ist, nicht leicht. Ich weiß das, weil ich Otto in besagtem Kunstfälscherverfahren verteidigt habe und immer noch sein Anwalt bin.

Otto ist wegen seiner Verwicklung in den Beltracchi-Fall zu 5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden, was einerseits in Anbetracht des erheblichen Schadens in zweistelliger Millionenhöhe und des mehrjährigen Tatzeitraums eine sehr moderate Strafe ist, andererseits im Verhältnis zu Strafen, die gegen Wolfgang und Helene Beltracchi verhängt wurden, nach Ansicht mancher Prozessbeobachter und auch nach meiner Auffassung ein bisschen zu viel ist. Aber mehr ließ sich im Rahmen der Verständigungsgespräche, die zu einem doch ganz erheblich verkürzten Verfahren geführt haben, nicht herausschlagen ...

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