Vorurteil, liebevoll gepflegt

Es gibt ja die merkwürdigsten Dinge. Hierzu gehört das “Wuppertaler Landrecht”. Eine feststehende Weisheit unter nordrhein-westfälischen Strafverteidigern. Diese besagt, dass es in Wuppertal für Angeklagte nur eines gibt – übermäßig harte Strafen.

In Wuppertal arbeiten in der Tat einige Richter, die das Klischee bedienen. Ebenso gut kann man aber Juristen mit Augenmaß begegnen, die eine solide Verhandlungsführung pflegen und es nicht als Ehrensache ansehen, jeden Angeklagten einzunorden. Aus beiden Kategorien gibt es aber Richter an jedem Gericht. Ich für meinen Teil meine deshalb, dass das Wuppertaler Landrecht vielleicht mal existiert hat. Heute ist es nicht mehr als eine Legende.

Allerdings will ich nicht behaupten, völlig frei von Vorbehalten zu sein. Bayerische Staatsanwälte habe ich bisher zum Beispiel als eher unzugänglich erlebt. Und sicher bin ich nicht der einzige Verteidiger, der bei Gastauftritten in Bayern schon per se mit einer härteren Strafe rechnet als, sagen wir mal, in Düsseldorf und dem Ruhrgebiet.

Aber nicht mal die Bayern darf man über einen Kamm scheren. Ich habe das heute in einer Hauptverhandlung erlebt. Diese verlief ohnehin in überraschend freundlicher Atmosphäre, aber der noch junge Staatsanwalt haute mich wirklich um ...

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