Lebenswelten junger Muslime in Deutschland: Innenminister gibt Ergebnisse der eigenen Studie verzerrt wieder (mit Updates)

Will man ein Musterbeispiel dafür haben, wie wissenschaftliche Studienergebnisse durch Politik und Medien missbraucht werden und in fast bösartiger Weise gegen ihre Intention wiedergegeben werden, dann gibt es jetzt erneut ein treffendes Beispiel. Die Studie "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland" (von W. Frindte, K. Boehnke, H. Kreikenbom, W. Wagner - um es gleich zu sagen, ich kenne keinen der Autoren persönlich, bin auch mit keinem wissenschaftlcih verbandelt) wurde heute auf dem Internetportal des BMI veröffentlicht. Sie ist über 700 Seiten stark und sehr detailliert. Die Forscher haben sich besonders bemüht, die vielfältigen interdisziplinären methodischen Zugangswege, die sie verfolgt haben, und die wesentlichen Ergebnisse ihrer Studie in mehreren Stufen kurzgefasst hervorzuheben, um auch Nichtexperten einen nachvollziehbaren Einblick in diese Forschungen und deren Ergebnisse zu bieten. Sie kommen in einem abschließenden Kapitel auch zu differenzierten Handlungsempfehlungen an Politik und Gesellschaft.

Nun kann man sicherlich an etlichen Stellen einhaken und über methodische Fragen streiten, an anderen Stellen Ergebnisse herausstellen, diese relativieren, kritisieren oder als banal rezensieren. Aber was Innnenminister Friedrich und was die Presse heute mit dieser Studie anstellen, das hat sie wirklich nicht verdient:

Der Innenminister missbraucht die von seinem eigenen Ministerium herausgegebene Studie dazu, seine offenbar nicht durch die Lektüre der Studie beeinflussten Vorurteile in der "Bild" zum Besten zu geben. Ein weiterer Unionspolitiker, Herr Uhl, tut das Gleiche in der NOZ.

Kein Wunder, dass andere Politiker dies wiederum zum Anlass nehmen, die Studie (wahrscheinlich ebenso ungelesen) gleich ganz als überflüssig zu verwerfen, so etwa ein Sprecher der FDP, wiederum in der NOZ ...

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