Bombe geplatzt: Riskante Verteidigungsstrategie im Piratenprozess steht vor dem Scheitern

Strafjustizgebäude des Hamburger Landgerichts

Das war doch schon eine ziemlich große Überraschung, was sich am heutigen 78. Verhandlungstag im ersten deutschen Piratenprozess seit über 400 Jahren vor dem Hamburger Landgericht abgespielt hat. Man könnte auch sagen, eine Bombe ist geplatzt.

Nachdem die Jugendkammer die beiden erst am letzten Verhandlungstag getrennten Verfahren gegen jeweils 5 mutmaßliche Piraten wieder miteinander verbunden hatte, gab ein heute 29-jähriger Angeklagter eine umfassende Einlassung zur Sache ab, in der er auch etliche Mitangeklagte nicht unerheblich belastete. Bislang hatten alle Angeklagten sich nur zu ihren eigenen Tatbeiträgen geäußert, aber keinerlei Angaben zu den Mitangeklagten gemacht.

Khalief D. gab an, er selbst sei lediglich als Dolmetscher für den Piratenakt eingesetzt worden, er hätte keine Waffe in der Hand gehabt. Alle 10 Angeklagten hätten sich im Vorfeld der Aktion mit 5 weiteren Beteiligten und mit Hintermännern getroffen und konkrete – auch schriftliche – Abreden über die Aufgabenteilung und die spätere Gewinnverteilung getroffen. Im weiteren beschrieb er dann recht detailliert die angeblichen Tatbeiträge der anderen Angeklagten, machte Angaben, wer welche Waffen geführt hätte, wer die Boote gesteuert hätte, und wer das Sagen auf der Dhau und auf den für den Überfall auf die MS Taipan eingesetzten Skiffs gehabt hätte.

Wenig positiv kam dabei der älteste Angeklagte Aden A. weg, der sich bislang dahingehend eingelassen hat, er sei unter Waffengewalt zum Mitmachen gezwungen worden. Über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Wallasch, hatte der wiederholt beantragt, indische Besatzungsmitglieder der als Mutterschiff eingesetzten Dhau als Zeugen zu laden; diese würden seine Zwangslage bestätigen. Aden A. hätte wie auch andere Mitangeklagte gelogen, meinte Khalief D. Alle Angeklagten hätten freiwillig mitgemacht. Niemand sei von irgendwem gezwungen worden. Aden A ...

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