Ende gut, fast Alles gut: Bewährungsstrafe im 3. Anlauf

Briefmarke 50 Jahre Bundesgerichtshof

Es gibt Strafverfahren, da steckt von Anfang an irgendwie der Wurm drin und die ziehen sich dann auch noch fast endlos in die Länge. Heute hat ein solches Verfahren vor dem Bochumer Landgericht einen halbwegs versöhnlichen Abschluss gefunden. Im Rahmen eines großangelegten Verfahrens wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, banden- und gewerbsmäßigen Betruges in ziemlich vielen Fällen, Erpressung, Nötigung und anderer Delikte waren 2005/2006 mehr als 25 Personen in Untersuchungshaft gekommen. Das Verfahren wurde auch deshalb mit besonderer Aufmerksamkeit geführt, weil im Rahmen der Ermittlungen ein Staatsanwalt mit dem Tode bedroht worden sein soll. Eine 30-köpfige Sonderkommission der Polizei hatte rund 3 Jahre lang ermittelt und mehr als 30.000 Seiten Akten zusammengetragen.

Mein Mandant wurde fast ein Jahr nach den ersten Festnahmen in Haft genommen. Das Gericht nahm Fluchtgefahr an, obwohl der damals 42-jährige Familienvater in Brot und Arbeit stand und in Kenntnis der bereits erfolgten Inhaftierungen keinerlei Fluchtanstalten getroffen hatte. Ganze sechs Monate hat es gedauert, bis ich eine Haftverschonung erreichen konnte.

Als die Hauptverhandlung gegen meinen Mandanten und zwei Mitangeklagte – darunter ein Rechtsanwalt – begann, hatte die zuständige Kammer des Landgerichts im selben Tatkomplex schon rund 100 Verhandlungstage absolviert und gegen knapp 20 Beschuldigte mehr als 80 Jahre Freiheitsstrafe verhängt. Bei einer solchen Sachlage fällt es schwer, an die Unvoreingenommenheit des Gerichts zu glauben.

Für den Fall eines frühzeitigen und umfassenden Geständnisses stellte das Gericht meinem Mandanten, dem neben der Mitgliedschaft in der kriminellen Vereinigung 23facher banden- und gewerbsmäßiger Betrug mit einem Schaden von rund 1,5 Millionen Euro zur Last gelegt wurde, „eine 3 vor dem Komma“ , also eine Freiheitsstrafe von zwischen 3 und 4 Jahren, in Aussicht ...

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