Wer nicht sehen will, muss fühlen. Eine Kritik der Rede vom multisensorischen Recht (Teil IV)

(Fortsetzung des Beitrags vom 10. Februar 2012).

V. Themen, die für das multisensorische Recht in Anspruch genommen werden 1) Rechtsvisualisierung … 2) Sensationen auf der Objektebene des Rechts … 3) Wahrnehmungsprozesse in rechtlich relevanten Kontexten Die Rede vom multisensorischen Recht beruft sich zunächst auf die psychologische Trivialität, dass an allen Wahrnehmungsprozessen mehrere Sinne beteiligt sein können (Brunschwig 2011: 581). Das gilt natürlich auch für Wahrnehmungsprozesse in rechtlichen Kontexten: »Multisensory stimuli also occur in the legal context: for example, consider a law lecture at the university, a lawyer’s plea, the seller’s offer to a buyer during a sales meeting, and so forth. In these cases, these stimuli are at least audiovisual.« (Brunschwig 2011:582). Man ist geneigt, die Beispiele auszumalen, etwa durch die Beschreibung der Örtlichkeiten, die Gestik von Dozent und Verkäufer, das Anfühlen des Stoffes beim Kleiderkauf, das Geschmackserlebnis bei der Weinprobe oder die Geruchssensationen bei der Auswahl von Parfum. Interessant sind immerhin Auge und Ohr als Nebenkanäle der Wortkommunikation im Rechtsverkehr und in juristischen Verfahren. Über diese Nebenkanäle der Oralität lassen sich pragmatische Nebenaspekte der Kommunikation transportieren, die nur mühsam oder gar nicht in Worte gefasst werden können. Aus diesem Grunde verzichtet das Recht für wichtigere Verfahren nicht auf die mündliche Verhandlung, denn mündliche Kommunikation ist ja nicht bloß verbal, sondern verfügt über ein ganzes Bündel von Ausdrucksmöglichkeiten. Neben Dynamik, Sprechgeschwindig¬keit und Stimmlage treten nonverbale Signale wie Mimik, Gestik und die Inszenierung in einer bestimmten Umgebung ...

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