Wer nicht sehen will, muss fühlen. Eine Kritik der Rede vom multisensorischen Recht (Teil II)

(Fortsetzung des Beitrags vom 29. Januar 2012)

III. Multisensorisches Recht: Konzept oder Themenfeld? Frau Brunschwig hat ihre Vorstellungen 2011 noch einmal in einem großen Aufsatz, sozusagen in einer Programmschrift erläutert, ergänzt und zusammengefasst.1 Die neue Wissenschaftsdisziplin soll sich »mit der (audio-)visuellen und multisensorischen Repräsentation und Kommunikation von rechtlichen Inhalten« auseinandersetzen.2 Sie soll »die Produkte des visuellen, des audiovisuellen und des multisensorischen Rechts« untersuchen, »deren Produktion, Rezeption und Wirkung … sowie die zeitlichen, räumlichen sozialen, ökonomischen, rechtlichen, technischen und kulturellen Kontexte dieser Produkte« erforschen. Von den alten Fächern könnten die daraus folgenden Fragestellungen nicht mehr bewältigt werden. Die neue Disziplin wird innerhalb der Rechtswissenschaft angesiedelt. Die Idee, es könne sich um ein interdisziplinäres Vorhaben »extra muros jurisprudentiae« handeln wird ebenso zurückgewiesen wie der Gedanke an ein neues »Law-and-Some-Thing« Angebot (2011:616). Erst Recht die Annahme, es könne sich um ein bloßes Konzept handeln, wird verworfen.3 Die multisensorische Phänomene sollen sowohl auf der Objektebene des Rechts als auch auf der Metaebene der Aufbereitung durch die Jurisprudenz behandelt werden (2011:584). Als Recht seien aber nicht nur die formellen Rechtsquellen zu bedenken, sondern auch die Praxis sowohl der Institutionen wie der privaten Akteure, ja die ganze Rechtskultur einschließlich ihrer volkskulturellen Emanationen (2011:588-591). Lachmayer, der aus dem Lager der Rechtsinformatik kommt, meint, »zu den strategischen Perspektiven der Rechtsinformatik gehör[e] … der Ansatz des Multisensorischen Rechtes, dem es gelinge, die bisherige Textualität der Rechtsinformation zu überwinden und völlig neue Entwicklungslinien aufzuzeigen.«4 Dieser Gedanke wird jedoch nicht weiter ausgeführt ...

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