Linguae et Litterae: Sprachenpolitik in der (Rechts-)Wissenschaft

Es ist eine crux mit der babylonischen Sprachverwirrung. Vielsprachigkeit kostet Zeit, Geld und Mühe. Dabei scheint es, als gelte auch in der Welt der Sprache das eherne Prinzip des “survival of the fittest”. Ist das Bemühen um Mehrsprachigkeit in der (Rechts-)Wissenschaft also nur noch ein aussichtsloses Rückzugsgefecht?

„In der Wissenschaft hat das Englische das Deutsche aufgefressen“, konstatiert Dieter Simon auf dem Mops-Block, und mahnt verdienstvoll, „nicht allzu hastig die Mimesis des Angelsächsischen voranzutreiben, sondern den Unterwerfungsprozess besonnen und umsichtig – vielleicht sogar unter Rettung vereinzelter Positionen – vorzunehmen“.

Dem kann man nur zustimmen, wenn man tagtäglich versucht, dem Trend zur ausschließlichen, oft reichlich dilettantischen Verwendung der lingua franca im grenzüberschreitenden Rechtsgespräch beherzten Widerstand entgegenzusetzen, auch auf diesem Blog – verhalten noch, und mitunter nicht so geschliffen und eloquent, wie ich es mir wünschen würde. Aber der gute Wille ist da. Und die Sensibilität für das Problem. Wer einen Forschungsverbund zur interdisziplinären Rechtsforschung aufbaut und unter dem Dach des Forums Transregionale Studien ein Postdoc-Programm etabliert, das sich an “Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Weltregionen und Forschungszusammenhängen jenseits der etablierten europäisch-nordamerikanischen Diskussionskontexte” richtet, sinnt hin und wieder über das Verhältnis von Gedanke und Sprache nach. Und auch über Möglichkeiten, den damit verbundenen Fragen in einem strukturierten Prozess disziplinübergreifender Reflexion nachzugehen.

Dennoch wittert Dieter Simon ausgerechnet hier die Bereitschaft zur vorschnellen Unterwerfung unter die Knute der lingua franca. Anlass seiner Polemik ist die heutige Veranstaltung des Berliner Seminars Recht im Kontext, bei der ein deutscher Rechtstheoretiker in englischer Sprache referieren wird ...

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