BVerfG: Lesen müsste man können...

In der September-Ausgabe (No. 13) der myops (einer Zeitschrift, die hiermit dem geneigten Leser besonders empfohlen sei) schrieb Volker Rieble, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über eine - nun, sagen wir - erstaunliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Die Zweite Kammer des Ersten Senats hob mit Beschluss vom 01.12.2010 - 1 BvR 1572/10 einen Beschluss des OLG Frankfurt auf. Die Kammer schreibt darin - völlig zu Recht -, dass § 1666 BGB das Gericht nicht dazu ermächtige, einen Elter zu einer psychiatrischen Therapie zu verpflichten. Dass der Mutter eine Psychotherapie aufgegeben wurde, verstoße folglich gegen Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG. Der Beschluss des OLG Frankfurt vom 06.05.2010 (3 UF 350/08) ordnete jedoch überhaupt keine Therapie für die Mutter an. Vielmehr wurde der Mutter aufgegeben, die Psychotherapie der Tochter fortzuführen. Der Tenor besagt insoweit:
Bezüglich Al wird der Kindesmutter die Auflage erteilt, die bereits begonnene Psychotherapie bis zu dem Zeitpunkt fortzusetzen, den das Jugendamt - in Abstimmung mit dem jeweiligen Therapeuten - als erforderlich ansieht.
Mit „Al“ ist offensichtlich nicht die Mutter, sondern die Tochter gemeint. In der Begründung steht:
Die Auflage bezüglich Al war auf Antrag von Jugendamt und Verfahrenspflegerin zu verhängen, um zum Wohle des Mädchens zu gewährleisten, dass die bereits begonnene Therapie fortgesetzt wird.
Daraus sollte sich eigentlich klar ergeben, dass die Psychotherapie für die Tochter, nicht für die Mutter angeordnet wurde.
Die Akten des Ausgangsverfahrens lagen der Kammer vor.
So steht es im Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats ...Zum vollständigen Artikel


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