Kartellrechtlicher Wassereinbruch in der öffentlichen Wasserversorgung

Der Bundesgerichtshof hat durch Beschluss vom 18.10.2011, im Internet veröffentlicht am 27.01.2012 klargestellt, dass eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die Trinkwasser auf der Grundlage eines Anschluss- und Benutzungszwangs und einer Gebührensatzung liefert, ein Unternehmen im Sinne der Vorschrift über die Auskunftspflichten gegenüber den Kartellbehörden ist (§ 59 Abs. 1 GWB).

Worum ging es?

Das Bundeskartellamt führt ein Verfahren gegen die Berliner Wasserbetriebe (A.ö.R.) wegen des Verdachts missbräuchlich überhöhter Trinkwasserpreise. Das betroffene Unternehmen ist zwar öffentlich-rechtlich organisiert; die Leistungsbeziehung zu den Kunden ist aber privatrechtlich ausgestaltet. Wie bei solchen Missbrauchsverfahren üblich, möchte das Bundeskartellamt den Vorwurf des Preismissbrauchs anhand des Vergleichsmarktskonzepts belegen und hatte daher Auskunftsbeschlüsse gegen Trinkwasserversorger erlassen, darunter den Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverband, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts (also öffentlich-rechtliche Organisationsform), die aber keine privatrechtlichen Entgelte verlangt, sondern Gebühren auf der Grundlage einer Gebührensatzung und zu deren Gunsten ein Anschluss- und Benutzungszwang satzungsrechtlich vorgesehen war. Der Zweckverband hatte sich beim Oberlandesgericht im einstweiligen Rechtsschutz erfolgreich gegen den Auskunftsbeschluss gewehrt. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte die aufschiebende Wirkung der Beschwerde angeordnet und war davon ausgegangen, dass der Wasserverband kein Unternehmen im Sinne der Vorschrift sei.

Der Bundesgerichtshof sieht dies nun anders und stellt klar, dass die öffentliche Hand, sogar wenn sie in den Formen des öffentlichen Rechts handelt, Unternehmen im Sinne der Auskunftsverpflichtung des § 59 GWB sein kann ...

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