Dieter Simon über das Argumentieren der Juristen und die schöne Zukunft des Rechts: Recht als Rhetorik – Rhetorik als Recht

Dieter Simon, nach eigener Auskunft “Rentner, einst Professor der alten Rechte in Frankfurt und Berlin und Wissenschaftsfunktionär, Byzantinist und Rhetoriker, Pfälzer, Mitherausgeber von Myops, Rechtstheoretiker ehrenhalber an der HU Berlin”, sprach vergangenen Montag im Berliner Seminar Recht im Kontext in der Villa Jaffé des Wissenschaftskollegs über die Rede der Juristen und die immer wieder versteckte und verleugnete “Urverwandtschaft” von Recht und Rhetorik. Die Geschichte begann – nach kurzen Ausflügen an die juristischen Fakultäten von München und Münster – in der Antike. Sie versöhnte mit Relationstechnik und Methodenlehre, und sogar mit den Griechen. Das Ganze endete mit einem Ausblick, der in seiner von jahresendzeitlicher Milde abgetönten Ironie hoffnungsvoll in die Zukunft des Rechts blicken liess:

Die anhaltende Trennung zweier Wissenskulturen, so lautet jetzt die endlich abschließende Prognose, wird mit ihrer offiziellen Vermählung enden. Eine erneute Heirat, von der alle Seiten profitieren.

Der Widerstand der Juristen gegen die Gleichsetzung von Rechtskunst und Redekunst wird zusammenbrechen. Sie werden ihre Argumentationstechniken als Rhetorik akzeptieren und Form, Stil und Ästhetik wieder zu Ehren bringen.

Natürlich war es einfacher sich obrigkeitlich hinter dem Gesetz zu verstecken und bedauernd zu verkünden, daß man an dieses gebunden sei. Es ist wesentlich schwerer, aber auch demokratischer, nicht nur die Brücken vom Ereignis zum interpretierten Gesetz und vom generellen Gesetz zum formierten Fall, sondern auch die Gründe, warum die Norm gerade so und der Sachverhalt nicht anders aufgefasst wurden, argumentativ und nicht nur unter Berufung auf „Erkenntnisse“ und einen unsichtbaren Gesetzgeber plausibel zu machen ...

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