Multisensorische Moral

Rubin ist das Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität Bochum. Es bietet eigentlich immer interessante Artikel, hat ein hochwertiges Layout und immer wieder gute Bilder. Auch das eben erschiene Heft Winter 2011 habe ich wieder gerne durchgeblättert und einige Artikel mit Gewinn gelesen, darunter einen der in Bochum ziemlich neuen Professorin Corinna Mieth, die einen Lehrstuhl für praktische Philosophie unter besonderer Berücksichtigung der Politischen Philosophie und Rechtsphilosophie innehat. Die Überschrift lautet »Pflichten stark machen. Weltarmut und die Pflichten der Reichen: Eine neue Position in der philosophischen Debatte«. Die Autorin geht der These Peter Singers1 nach, dass die Bürger der reichen Staaten gegenüber den Armen in der Welt nicht bloß moralisch lobenswerte Wohltäter seien, dass sie also nicht bloß »superrogatorische«, sondern starke moralische Pflichten hätten. Mieth hält das Distanzargument allein nicht für ausreichend, um eine starke Hilfspflicht zurückzuweisen. Sie weist auch die These von Thomas Pogge 2 zurück, die Hilfspflicht sei eine letztlich in der UN-Menschenrechtskonvention begründete Gerechtigkeitspflicht, weil versäumt werde, den in den armen Ländern von Staat und Wirtschaft begangenen Rechtsverletzungen an ihren Bürgern nicht zu begegnen. Mieth meint, mir einleuchtend, dass Mitwirkung einzelner Bürger reicher Staaten an der Verursachung der Armut und ihr Profitieren seien zu dünn, um daraus eine Kompensationspflicht abzuleiten. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass starke individuelle Hilfspflichten vor allem an der Unüberschaubarkeit der empirischen Zusammenhänge scheitern. 3 Ich will in diese Diskussion nicht einsteigen ...

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