Cameron, der Verfassungszocker

David Cameron hat in letzter Zeit nicht gerade Cincinnati-Kid-Qualitäten bewiesen: Sein Bluff am Euro-Pokertisch ging böse in die Hosen, sein „Veto“ gegen die kontinentalen Fiskalunionpläne hat niemanden beeindruckt. Im Gegenteil, jetzt erhöht Merkozy noch den Einsatz und blickt dem nervösen Kasper auf der anderen Seite des Tisches mit unbewegter Miene in die Augen.

Cameron jedoch hat noch ein anderes Spiel laufen. Im Nebenzimmer sitzt Alex Salmond, der vergnügte Schotte, und versprüht die Zuversicht dessen, der sich eines sensationellen Blattes gewiss ist. Taktiker, der er ist, weiß er genau, dass seine lärmende Bonhommie dem unsicheren David furchtbar an den ohnehin schon angespannten Nerven zerrt. Das kann ihm nur nützlich sein.

Salmon will Schottland zu einem unabhängigen Staat machen. Seine Scottish National Party (SNP) trat bei den schottischen Parlamentswahlen im Mai 2011 mit der Forderung an, in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode ein Unabhängigkeitsreferendum zu veranstalten. Sie gewann die Wahl erdrutschartig und regiert jetzt in Holyrood mit absoluter Mehrheit.

Salmond braucht Zeit bis 2014, um die bisher schwankende Mehrheit der Schotten zu überzeugen, dass die Unabhängigkeit gut für sie ist – Zeit, während derer ihm gar nichts besseres passieren kann als möglichst viele möglichst hektische Versuche aus Westminster, ihm Steine in den Weg zu legen, die er zum Beweis der Niedertracht der britischen Regierung und der Notwendigkeit, sich von ihr loszusagen, seinen Schotten präsentieren kann.

Den Gefallen hat ihm Cameron jetzt getan: Wie die britische Presse berichtet, will er Salmond ein bindendes, vom britischen Parlament mitbeschlossenes Referendum anbieten – aber nur, wenn es binnen der nächsten 18 Monate stattfindet. Außerdem solle es auf dem Stimmzettel keine zusätzliche abgeschwächte Option zur Unabhängigkeit geben dürfen ...

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