Die Wissenschaft vom Recht

Nachdem m'colleague hier auf den Aufsatz von Röhl hingewiesen hat, möchte ich noch ein paar Gedanken zum Thema Wissenschaftlichkeit des Jurastudiums äußern. Dass an der Wissenschaftlichkeit der Rechtswissenschaft gezweifelt wird, liegt sicherlich an ihrem Gegenstand, dem (positiven) Recht. Dieses wird nicht natürlich vorgefunden, sondern ist vom Menschen geschaffen. So geht es allerdings auch anderen Geisteswissenschaften, wie Geschichte, Literaturwissenschaften oder Kunstgeschichte. Was an der Rechtswissenschaft besonders ist, ist die Rechtsdogmatik. Hier beschäftigt sich die Rechtswissenschaft ausschließlich mit Normen, sie ist Normwissenschaft, ganz ähnlich der Theologie. Das Recht ist jedoch gesellschaftlich verwurzelt, sowohl in seiner Entstehung als auch in seiner Wirkung. Recht wissenschaftlich zu erforschen, muss deshalb auch diese beiden Aspekte umfassen - mittels der sog. Grundlagenfächer wie Rechtsgeschichte, Rechtsphilosphie und Rechtssoziologie. Diese Grundlagenfächer sollten im Studium weniger stiefmütterlich behandelt werden, vielmehr müsste ihre Verbindung zum positiven Recht aufgezeigt werden. Die Grundlagenfächer dürfen nicht der externe Blick auf das Recht sein, sondern vielmehr soll der Jurist sich der Methoden anderer Fächer (wie etwa der Soziologie) bedienen, um sein wissenschaftliches Objekt, das Recht, zu untersuchen. Der Rechtsdogmatik kommt in diesem Gefüge die Aufgabe des, wie Röhl schreibt, „strictly legal point of view“ (und der Systematisierung des Rechts) zu. Die Rechtswissenschaft betrachtet Lebensvorgänge eben aus der genuin juristischen Perspektive, also der des positiven Rechts. Dies darf sie jedoch nie unter Nichtbeachtung gesellschaftlicher Wirklichkeit tun. Um diese Verbindung herzustellen, müsste mehr mit ökonomischer Analyse, Kriminologie und der (leider fast völlig unerforschten) Rechtspsychologie gearbeitet werden ...Zum vollständigen Artikel

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