Nazi-Kommentator Palandt 60 Jahre tot

Der Todestag von Herrn Dr. Palandt jährt sich zum 60. Mal. Hinter Herrn Dr. Palandt, Namensgeber für einen juristischen Standardkommentar, steht eine interessante Geschichte, die nicht jedem Juristen und schon gar der breiten Öffentlichkeit bekannt sein dürfte.

1933 wurde Palandt zum neuen Präsidenten zunächst des preußischen, dann des Reichsjustizprüfungsamtes. Als solcher kommentierte er die Justizausbildungsverordnung ganz im Sinne der NS-Diktatur und empfahl vor der Meldung zur ersten juristischen Prüfung den Dienst in der SA und in der SS. Das Vorwort zu seinem ersten Kommentar schrieb der Staatssekretär Dr. Roland Freisler 1934, später Präsident des Volksgerichtshofes, dessen Gesinnung für demokratische und unabhängige Juristen heute kein Beispiel mehr wäre: “Der Volksgerichtshof wird sich stets bemühen, so zu urteilen, wie er glaubt, dass Sie mein Führer, den Fall selbst beurteilen würden.”

Wirklich berühmt wurden er jedoch nicht wegen eines Kommentars, den er selbst schrieb, sondern wegen eines Kommentars, den er herausgab: 1939 wurde “der Palandt” nach ihm benannt. Ein juristischer Kurzkommentar des Bürgerlichen Gesetzbuchs, in dem es damals zum Beispiel zum Arbeitsrecht hieß, dass die fristlose Kündigung eines Arbeitsvertrags wegen eines fortgesetzten Einkaufs eines städtischen Angestellten in jüdischen Geschäften führen konnte. Bezeichnend auch die Kommentierung zum Begriff der guten Sitten in § 138 BGB, 6. Auflage, Rn ...

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