»Imago, Actio, Justitia – Bilder, Körper und Handlungen des Rechts« II

Am 3. und 4. Dezember war ich also in Berlin zur Tagung und habe meinen Vortrag abgeliefert. Keinem ist aufgefallen, dass ich die Überschrift etwas verändert hatte.1 Aber warum sollte auch jemand darauf achten, sind doch Vortragstitel schon längst nicht mehr informativ. Das Programm der Tagung übte sich insoweit in der Kunst der Verrätselung. Wer hätte unter der Überschrift » Das Subjekt gründen. Zur normativen Funktion von Bildern« eine Interpretation von Kleists Novelle »Der Findling« erwartet oder unter der »Verleumdung des Apelles« eine Analyse von Dürers Bildern im Nürnberger Rathaussaal? Bredekamp und Haltern blieben fern. Aber die Tagung war interessant. Höhepunkt war der Nachmittag des 4. 12., wo der Journalist Roy Gutman und der Fotograf Andree Kaiser auftraten, um über die Wirkung ihres Berichts aus einem Konzentrationslager und über vergewaltigte Frauen in Bosnien 1993 zu reflektieren, und wo Rupert Neudeck erzählte, wie seinerzeit durch Fernsehsendungen mit Bildern aus dem südchinesischen Meer die Unterstützung des Publikums für das Projekt Cap Anamur gewonnen wurde. Die Entschlüsselung des bekannten Bildes aus dem Situation Room des Weißen Hauses vom 1. Mai 2011 als Tyrannenmord durch Carolin Behrmann war gewagt. Mitveranstalter Philipp Ruch dämpfte die Hoffnung auf die Wirkungsmacht von Schreckensbildern, indem er darlegte, dass die Alliierten schon 1944 über Bilder aus deutschen Konzentrationslagern verfügten, ohne dass diese viel Beachtung gefunden hätten ...

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