Tellerrand: Kroatien – Onlineplattform macht Korruption im öffentlichen Auftragswesen sichtbar

Ein Gastbeitrag von Michael Singer

Ab und an blickt der Vergabeblog über den Tellerrand, so auch heute wieder einmal, diesmal geografisch: Vor dem Hintergrund der EU-Beitrittsverhandlungen hat Kroatien 2008 der Korruption bei der Vergabe staatlicher Aufträge den Kampf angesagt. Bislang offenbar wenig erfolgreich, wie nun eine Onlineplattform offenbart: Diese stellt für die Verwaltungsausgaben seit 01.07.2009 dar, welcher Staatsbedienstete wie viele Aufträge an welche Firmen vergegeben hat.

Die Plattform wurde initiiert von dem in Kroatien bekannten Polit-Blogger Marko Rakar. In etwa 1000 Arbeitsstunden sammelten er und seine Helfer Informationen über die Auftragsvergabe auf allen Ebenen der kroatischen Verwaltung. Unter http://nabava.vjetrenjaca.org/ hat er sie nun kostenlos zugänglich gemacht und jeder Leser kann die Informationen nun nach Unregelmäßigkeiten durchsuchen – anscheinend mit Erfolg.

Rakar wird nicht zum ersten Mal mit der Veröffentlichung von regierungskritischen Informationen in Verbindung gebracht. Auch an der Aufdeckung zweier großer Skandale im Zusammenhang mit Wahlbetrug und der Erschleichung von ungerechtfertigten Veteranenpensionen im großen Stil war er maßgeblich beteiligt.

Die Daten, die er jetzt in Kroatien zugänglich gemacht hat, betreffen die Ausgaben der Verwaltung seit dem 1. Juli 2009. Mit wenigen Handgriffen lässt sich feststellen, welcher Beamte wie viele Aufträge an welche Firmen gegeben hat. Erfasst sind alle öffentlichen Stellen, von der Regierung bis zu staatlichen Versorgungsbetrieben.

In den ersten 36 Stunden haben bereits rund 40.000 Nutzer die neue Plattform besucht. Schon jetzt wurden Unregelmäßigkeiten festgestellt und im Blog von Rakar (http://pollitika.com/) diskutiert. Einige Firmen scheinen beispielsweise nur für einzelne öffentliche Aufträge gegründet worden zu sein ...

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