Widersprüchlichkeit der eigenen Sachkunde

Das Landgericht Bonn hat den Angeklagten wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in zwei Fällen zu insgesamt vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Der Verurteilung lag unter anderem ein Sachverständigengutachten zugrunde, welches auf einem Explorationsgespräch der Geschädigten unter Anwesenheit der Mutter erstattet wurde. In der Hauptverhandlung wurden die Angaben weitgehend bestätigt, wobei allerdings „wie schon bei der Sachverständigen kaum ein Bericht in freier Rede zu erhalten" war. Die Verteidigung stellte daraufhin den Antrag ein weiteres aussagepsychologisches Gutachten zur Glaubhaftigkeit der Angaben der Geschädigten einzuholen. Mehrere Mängel des Gutachtens wurden aufgezeigt, z.B. Suggestivfragen, die Auswirkungen auf das Aussageverhalten der Geschädigten in der Hauptverhandlung haben könnten. Das Landgericht lehnte den Beweisantrag ab; es verfüge nach § 244 Absatz 4 Satz 1 StPO selbst über die erforderliche Sachkunde. Die Glaubhaftigkeit von Zeugen sei Aufgabe des Gerichts. Ein aussagepsychologisches Gutachten könne lediglich eine zusätzliche Entscheidungshilfe sein ...

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