"Seit 33 Jahren durch die Hölle gegangen"

„Vermutlich aus einem zwischenmenschlichen Grund“ hat ein 72-Jähriger Mann aus Reichenberg (Kreis Würzburg) an Heiligabend im vergangenen Jahr seine 77-jährige Ehefrau im Schlaf mit einem Messer attackiert, schwer verletzt und dann mit einem Hammer erschlagen. So steht es in der Anklageschrift, und am ersten Verhandlungstag vor dem Würzburger Landgericht waren nähere Details über Tathergang und Motiv vom Angeklagten nicht zu erfahren.

Zutreffend sei, dass der 72-Jährige seine Frau „vorsätzlich getötet hat, ohne dass dafür ein rechtfertigender Grund vorlag“, sagte Verteidiger Jan Paulsen am Dienstag vor der Schwurgerichtskammer. Mehr will der Angeklagte erst erzählen, wenn er noch einmal mit dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. Detlef Blocher über die Hintergründe der Tat gesprochen hat. Immerhin: Im Vorfeld des Prozesses hat er Blocher bereits gesagt, er sei „seit 33 Jahren durch die Hölle gegangen“.

Auch was er erlebte, bevor er seine Frau 1978 in einem Krankenhaus in Schwetzingen kennenlernte, war alles andere als ein Zuckerschlecken: Bereits im Alter von zwei Jahren wurden er und 13 Geschwister auf verschiedene Kinderheime verteilt, nachdem der Vater im Krieg gefallen war. Seit dem 22. Lebensjahr lebte der Angeklagte meistens als Obdachloser auf der Straße. Nach einem Herzinfarkt lernte er in der Klinik seine spätere Ehefrau kennen, die dort als Krankenschwester arbeitete.

Anfang der 1990er Jahre wurde ihm ein Gehirntumor entfernt. 2002 verlor er Magen, Milz und Gallenblase, weil ihm in einer Gaststätte in Nördlingen versehentlich eine ätzende Flüssigkeit serviert wurde. Auch Speiseröhre und Stimmbänder wurden in Mitleidenschaft gezogen: Der 72-Jährige kann nur leise sprechen, und wegen seines Gesundheitszustandes kann immer nur wenige Stunden am Stück verhandelt werden ...

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