Therapeutische Jurisprudenz mit Bildern oder »Wie heilt das Recht?«

Da ist mir wohl etwas entgangen, nämlich der 31. Internationale Kongress über Recht und Geistige Gesundheit, der vom 28. 6. bis 3. 7. 2009 in New York stattgefunden hat. Was der mit Rechtsvisualisierung zu tun hat? Das mit 479 Seiten erstaunlich umfangreiche Book of Abstracts gibt Auskunft. Ab S. 309 bietet es einen Themenblock über »Therapeutic Jurisprudence and Audio/Visual/Cinematic Ways of Communicating about Law«. Aus dem Abstract des Vortrages von Bruce J. Winick (S. 311) erfahren wir: »Therapeutic jurisprudence is an interdisciplinary field of legal scholarship and law reform that is concerned with law’s impact on emotional well-being.« Winick ist anscheinend der Erfinder1 dieser wunderbaren neuen Disziplin. Da gibt es in Florida ein Therapeutic Jurisprudence Center, und es gibt sogar ein International Network on Therapeutic Jurisprudence. Therapeutic Justice ist wohl eine Teilmenge von Restorative Justice. Wenn man ein bißchen gugelt, erfährt man2, dass unter diesem Titel etwa heilende Wirkungen von Mediation beim Täter-Opfer-Ausgleich zur Debatte stehen. Therapeutic Justice hat noch stärker die Kontakte zwischen den Professionellen des Rechtsbetriebs (Anwälte, Richter, Polizei) und den Betroffenen im Blick, und ist auf helfende Sozialarbeit ausgerichtet. Fraglos können Gerichtsverfahren, Zeugenvernehmungen oder eine Verhaftung können starke psychische Effekte haben, und man kann rechtliche Verfahren sicher mehr oder weniger verletzend gestalten und mit ihrer Hilfe vielleicht auch etwas zum Trost der Opfer bewirken. Wenn man auch in Deutschland oder der Schweiz gelegentlich von therapeutischer Jurisprudenz spricht, so meint man wohl in erster Linie die Zusammenarbeit von Ärzten und Juristen beim Umgang mit Tätern und Opfern. Aber diese Benennung ist irreführend. Mit Rechtswissenschaft oder Jurisprudenz (was nicht ganz dasselbe ist) hat das nichts mehr zu tun, und auch nicht mit Rechtsvisualisierung, wie ich sie verstehe ...

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