Die „richtige” Bilanz bei M&A Transaktionen

Medienberichte über Strafverfahren gegen Manager wegen Bilanzfälschung vermitteln den Eindruck, dass es nur einen „richtigen“ Jahresabschluss gibt! Dass es nicht so ist, dazu Rechtsanwalt Dr. Peter Kunz und Wirtschaftsprüfer Dr. Rudolf Hopfgartner.

Tatsächlich gibt es auch bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt zahlreiche Ermessenspielräume und Bewertungswahlrechte, die fallweise zu erheblichen Unterschieden im Jahresabschluss führen können.

ENTSCHEIDUNGSGRUNDLAGE Da bei Unternehmenskaufentscheidungen und Kaufpreisvereinbarungen fast immer die für das Unternehmen aufgestellten Jahresabschlüsse eine zentrale Entscheidungsgrundlage sind, ist es wichtig, sich ein klares Bild darüber zu verschaffen, wie diese Spielräume vom Bilanzersteller genutzt wurden. Beispielsweise können Herstellungskosten auf die Einzelkosten beschränkt angesetzt werden, hinsichtlich angemessener Teile der Gemeinkosten und Zinsen für Fremdkapital besteht ein Wahlrecht.

Für den Bilanzierenden eröffnet sich damit ein erheblicher Spielraum, der das Bilanzbild verbessert oder verschlechtert. Wenn ein Unternehmen Staatsanleihen im Anlagevermögen hält und deren Kurs zum Bilanzstichtag unter den Anschaffungswert fällt, dann wird der Bilanzersteller im Normalfall das Wahlrecht haben, die Anlage entweder auf den aktuellen Kurs abzuwerten oder keine Abwertung durchzuführen. Je nachdem, ob diese Abwertung durchgeführt wird oder nicht, wird der Jahresabschluss die Lage des Unternehmens besser oder schlechter darstellen.

Beide Versionen des Jahresabschlusses, die schlechtere und die bessere wären aber gleichwertig „richtige“ Jahresabschlüsse. Welche Bewertungswahlrechte und Ermessensspielräume es gibt hängt zentral auch davon ab, ob die Rechnungslegungsbestimmungen des Unternehmensgesetzbuches oder internationale Standards angewandt wurden (Konzernabschlüsse von börsennotierten Unternehmen werden beispielsweise in Österreich immer nach den IFRS erstellt) ...

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