Wackerer Horst Herold

Man hätte es ihm ersparen sollen: Heute war der ehemalige Präsident des Bundeskriminalamtes Dr. Horst Herold (88) Zeuge im Verfahren gegen Verena Becker. Aufgrund einer Erkrankung wurde Herold in einer Videovernehmung befragt und aus einem bayerischen Behördengebäude zugeschaltet. Die genauen Umstände wurden aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Herold bemühte sich nach meinem Eindruck, die Fragen des Senats und der Nebenklage nach bestem Wissen zu beantworten – konnte in der Sache aber nicht wesentlich weiterhelfen. Der hochbetagte ehemalige BKA-Präsident war einerseits deutlich von seiner Erkrankung gezeichnet, bestach aber andererseits durch seine weiterhin klare Analyse dessen, was er von den damaligen Ermittlungen noch erinnerte. Und obwohl Herold ganz offenkundig nicht damit einverstanden ist, wie er von Nebenkläger Michael Buback instrumentalisiert wird, gestand er ihm zu: Die Möglichkeit, Verena Becker könne die “Mordschützin” gewesen sein, sei “durchaus plausibel”. Ein Schutz von Verena Becker oder eine Vertuschung bei den Ermittlungen seien aber völlig ausgeschlossen.

Wer Bilder von Dr. Herold erinnert, hat eine gute Vorstellung, wie er heute in der Videovernehmung aussah:In grauem Anzug mit gestreifter Krawatte und der typischen Horst-Herold Brille sah man ihm sein hohes Alter nicht an. Allerdings steht es um seine Konzentrationsfähigkeit krankheitsbedingt nicht gut. Immer wieder musste er sich sammeln, verlor den Faden und war – verständlicherweise – wenig glücklich darüber: „Sie merken, ich leide unter gelegentlichen Konzentrationsschwierigkeiten“, bekannte Herold gleich zu Anfang. Trotzdem wolle er sich selbstverständlich den Fragen des Gerichts und der Beteiligten stellen ...

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