Physik gegen Erinnerung

Am Freitag wird im “Buback-Prozess” gegen Verena Becker ein interessantes Gutachten vorgestellt: Der Stuttgarter Unfallsachverständige Joachim Rössle wurde vom Gericht beauftragt, das Tatgeschehen zu bewerten. Kernfragen: Kann es sein, dass die Täter den Dienstwagen des Generalbundesanwalts im Verlauf des Anschlags mit dem Motorrad umrundet haben, während der Wagen über die Kreuzung rollte? Und kann der Wagen während des Attentats zum Stehen gekommen und später wieder losgerollt sein? Was für den flüchtigen Betrachter wie Petitessen aussehen mag, sind für die Bewertung einiger Zeugenaussagen wichtige Fragen. Wohl vor allem deshalb hat der Senat das Gutachten in Auftrag gegeben: Um zu sehen, wie sich die Gesetze der Physik zu der Erinnerung einiger Zeugen verhalten. Ergebnis: Die Physik korrigiert die Zeugen – so sehe ich jedenfalls die Feststellungen des vereidigten Sachverständige für Straßenverkehrsunfälle. Doch Michael Buback sieht es anders: Das Gutachten stehe nicht im Widerspruch zu der aus seiner Sicht zentralen Zeugin Gabriele W., aber auch zu anderen Zeugen, meint er. Es dürfte also ein kontroverser Freitag werden.

Nochmals kurz die unstrittigen Fakten rekapituliert:

Der Mercedes der Bundesanwaltschaft stand wartend an der roten Ampel. Als die Ampel auf grün umschaltete, kam das Mordkommando aus zwei Personen mit einem Motorrad an den Wagen heran. Schüsse fielen. Der Wagen rollte oder fuhr los und kam schräg rechts über der Kreuzung an einem Bordstein, bzw. an einem Pfosten zum Stillstand. Der Fahrer lag mitten auf der Kreuzung.

Die heute 66jährige Zeugin Gabriele W. meint zu erinnern, das Motorrad sei 2-3 mal um den Dienstwagen herumgefahren, dabei teilweise aus ihrem Sichtfeld aus einem benachbarten Bürogebäude verschwunden und dann wieder aufgetaucht. Dazu müsste der Wagen also so langsam gerollt sein, dass genug Zeit für diese Umrundungen bleibt ...

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