Unterhaltsanspruch während des freiwilligen sozialen Jahres

Ein Unterhaltsanspruch kann auch bei volljährigen Kindern bestehen, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, wenn dies nicht zwingende Voraussetzung für einen bereits beabsichtigten weiteren Ausbildungsweg ist.

In dem hier vorliegenden Fall des Oberlandesgerichts Celle absolviert der Antragsteller in einer Pflegediensteinrichtung ein freiwilliges soziales Jahr. Danach beabsichtigt er ein Gymnasium zu besuchen, um das Fachabitur zu erreichen.

Zwar wird die vom Amtsgericht vertretene Auffassung, während der Absolvierung eines freiwilligen sozialen Jahres bestehe nur dann ein Unterhaltsanspruch, wenn es sich dabei um die notwendige Voraussetzung für ein beabsichtigtes Studium oder eine beabsichtigte Ausbildung (zu einem sozialen Beruf) handelt oder die Eltern einverstanden gewesen seien (OLG Stuttgart FamRZ 2007, 1353), in Rechtsprechung und Literatur allgemein geteilt. Zur Begründung wird dabei darauf verwiesen, dass ein nicht zur weiteren Ausbildung erforderliches freiwilliges soziales Jahr selbst keine angemessene Vorbildung zu einem Beruf im Sinne des § 1610 Abs. 2 BGB darstelle.

Diese Rechtsauffassung kann jedoch nach Ansicht des Oberlandesgerichts Celle angesichts der geltenden Rechtslage nicht aufrecht erhalten werden.

Gemäß § 1610 Abs. 2 BGB erstreckt sich der Unterhaltsanspruch eines Kindes auf die Kosten einer angemessenen Vorbildung zu einem Beruf. Die Eltern schulden dem Kind eine seiner Begabung angemessene Ausbildung, die die Perspektive einer späteren eigenständigen Finanzierung des Lebensunterhalts bietet. Die einzelnen Ausbildungsschritte müssen dabei grundsätzlich aufeinander folgen und in einem sachlichen Zusammenhang stehen. Dies hat der Bundesgerichtshof z. B. für die aufeinander bezogenen Ausbildungsschritte LehreAbiturStudium bejaht ...

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