Kombination aus kostenlosem Online-Game und teuren Upgrades kann sittenwidrig sein: Schutz für minderjährige Gladiatoren

Eine ganz besondere Konstellation bei Online-Rollenspielen war Gegenstand einer Verhandlung vor dem Landgericht Saarbrücken: Durch die geschickte Kombination eines kostenlosen Rollenspieles mit kostenpflichtigen virtuellen Features, die per Telefon bestellbar sind, wurden offensichtlich mehrfach von Minderjährigen horrende Telefonrechnungen verursacht. Dieses Konzept wurde von den Saarbrücker Richtern nun für sittenwidrig erklärt (vgl. LG Saarbrücken, Urteil v. 22.06.2011, Az. 10 S 60/10).

Das betreffende Spiel handelt von virtuellen Gladiatorenkämpfen und ist ein recht simples Online-Rollenspiel, wie sie derzeit zu Hunderten im Internet zu finden sind. Beworben wird es bei der Registrierung mit markigen Sprüchen wie „Wenn du keine Angst vor den Gefahren der Wildnis hast, wenn du stolzen Hauptes die Arena betreten und dich gegen jeden behaupten kannst, der dich herausfordert – dann tritt ein […]”. Die Spielteilnahme ist grundsätzlich kostenlos; allerdings kann der eigene Charakter mit kostenpflichtigen Features aufgewertet werden, die über einen externen Telekommunikationsanbieter telefonisch bestellt werden können.

Ein 13jähriger Gladiator hatte nun mehrfach (innerhalb eines Rechnungsmonats 152mal) solche Features per Telefon geordert, die Eltern – und Anschlussinhaber – verspürten jedoch wenig Interesse, den Gegenwert von EUR 2.818,47 zu begleichen. Die Sache landete schließlich vor dem Landgericht Saarbrücken.

Hier zeigten die Richter wenig Verständnis für das Konzept des Spiels, da es ja gerade darauf abziele, Minderjährige zu reflexartigem Generieren von Telefonkosten zu verleiten. Aus diesem Grund erklärten sie die Rechnungsstellung für nichtig aufgrund Verstoßes gegen die guten Sitten. Denn schließlich, so die Urteilbegründung, war die gegebene Konstellation sehenden Auges darauf ausgerichtet, dass die mangelnde Urteilskraft der minderjährigen Spieler zu höheren Telefonrechnungen bei den Eltern führt (vgl ...

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