TATORT – Pathologische Patzer (von Karoline Kuhla)

Sonntag, 20.15 Uhr in Deutschland: Im „Tatort“ aus Münster fischt der Vater von Hauptkommissar Thiel beim nächtlichen Angeln einen Fuß aus dem Kanal, der Rest des Körpers fehlt leider. Für Professor Boerne kein Problem, er identifiziert die Frau auch an ihrem Fuß. Das klingt unwahrscheinlich wie so manches gerade im Münster-„Tatort“, doch in diesem Fall hilft eine markante Fehlbildung des Fußes bei der Wahrheitsfindung.

„Der ‚Tatort‘ ist Realität pur und ein genauer Seismograf unseres Alltags“, sagt Rüdiger Dingemann, der ein Buch zu dieser Krimireihe herausgegeben hat. Seit mehr als 40 Jahren läuft der „Tatort“, viele Menschen vertrauen auf die Realitätsnähe der Serie – und bekommen ein verfälschtes Bild von der Rechtsmedizin. Problematisch ist dabei nicht die überzogene Fiktion einer Figur wie Professor Boerne, der sich entgegen der Realität an Ermittlungen beteiligt, sondern die falsche Darstellung der alltäglichen rechtsmedizinischen Praxis.

Die Fehler des „Tatort“ beginnen dabei meist dort, wo auch die jeweilige Folge ihren Anfang nimmt: am namensgebenden Tatort. Dort kommt es vor allem darauf an, anhand des Fundortes erste Erkenntnisse über den Toten und die Todesursache zu sammeln. Während im Krimi dabei häufig Uhrzeiten genannt werden, sieht die Realität anders aus: „Der Todeszeitpunkt ist selten genauer als plus, minus drei Stunden zu bestimmen“, sagt Lars Oesterhelweg, Leitender Oberarzt und Stellvertretender Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Charité Berlin. Was dem Arzt im Fernsehen nach wenigen Blicken auf die angekleidete Leiche gelingt, kostet in Wahrheit viel Zeit und Arbeit: Um den Todeszeitpunkt herauszufinden, gibt es mehrere Verfahren, die Rechtsmediziner vor Ort anwenden. Anhand der Temperatur des Leichnams im Verhältnis zur Umgebungstemperatur lässt er sich genauer einkreisen ...

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